DIHK erwartet Konjunkturaufwind und 2 vH Wachstum

Mittwoch, 14. Oktober 2009, 17:56 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Mitten in den Koalitionsverhandlungen hellen sich die Aussichten für die deutsche Wirtschaft weiter auf.

"Die Konjunktur erholt sich schneller als erwartet", erklärte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) am Mittwoch zu einer Umfrage unter mehr als 25.000 Unternehmen. Erstmals seit mehr als zwei Jahren beurteilen die Firmen ihre Geschäftslage wieder besser und blicken deutlich optimistischer in die Zukunft. "Deutschland ist damit auf dem Weg raus aus der Krise", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte, das für 2010 erwartete Wachstum von rund einem Prozent zeige, dass "wir langsam aus dem Tal herauskommen". Es wäre aber falsch, nun einen rigiden Sparkurs einzuschlagen, sagte Merkel auf einem Gewerkschaftskongress in Hannover.

Die Kammerorganisation geht sogar davon aus, dass die Wirtschaft nächstes Jahr um zwei Prozent zulegt, nach einem erwarteten Einbruch um 4,8 Prozent 2009. Etwas weniger optimistisch sind die führenden Forschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten und die Regierung: Sie erwarten jeweils 2010 nur ein Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent, nach minus 5,0 Prozent in diesem Jahr, wie Reuters von mit den Daten vertrauten Personen erfuhr. Die Institute legen ihr Gutachten am Donnerstag vor, die Regierung veröffentlicht ihre Prognose am Freitag.

KOALITION PRÜFT SPIELRAUM FÜR STEUER-ENTLASTUNGEN

Bis dahin loten Union und FDP Möglichkeiten aus, die Bürger wie vor der Wahl versprochen zu entlasten. Zudem peilen die Koalitionäre eine schrittweise Vereinfachung des Steuersystems an. Finanzexperten beider Lager wollten am Mittwochabend ihre Beratungen fortsetzen, um möglichst konkrete Ergebnisse für die große Koalitionsrunde am Wochenende auszuarbeiten. Das schwarz-gelbe Bündnis steht vor dem Dilemma, dass zu starke Steuerentlastungen die Haushaltslage weiter verschärfen. Eine anziehende Konjunktur würde zumindest die Spielräume verbessern.

Als erfreulich bezeichnete der DIHK, dass laut Umfrage auch die Exporteure und die krisengeplagte Industrie im Aufwind seien. Zudem kehre die Investitionsbereitschaft allmählich zurück. Die Chemie- und Metallbranche sei aus dem Gröbsten heraus. Während sich die Lage etwa in Teilen des Maschinenbaus noch verschlechtert habe, blickten alle Sektoren immerhin zuversichtlicher in die Zukunft. Viele Firmen hatten in der Krise ihre Lager abgebaut. Wenn nun die Konjunktur anziehe, führe das sofort zu steigender Produktion, betonte Wansleben.

Weitgehend glimpflich durch die Krise kommen demnach der Einzelhandel, die Gesundheitswirtschaft, die Energieerzeuger sowie die Immobilien- und Versicherungswirtschaft. Allerdings erwarten die Unternehmen in den kommenden Monaten Gegenwind am Arbeitsmarkt. Dieser entwickelt sich nach den Worten Wanslebens aber unterm Strich robuster als befürchtet. Vor allem die Kurzarbeit helfe Branchen wie der Metallerzeugung oder dem Maschinenbau, Fachkräfte zu halten. Im Schnitt des laufenden Jahres erwartet der DIHK einen Anstieg der Arbeitslosen um 200.000 auf 3,45 Millionen. 2010 dürften durchschnittlich 3,9 Millionen Menschen auf Jobsuche sein, besonders bei Großkonzernen seien dann Entlassungen zu erwarten. Nach einem Höchststand von bis zu 4,3 Millionen Arbeitslosen im Frühsommer komme im zweiten Halbjahr die Trendwende, sagte DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier.

Insgesamt sieht der DIHK die Wirtschaft aber noch lange nicht über den Berg, da sich die Finanzierungsbedingungen erneut verschärft hätten. So berichteten die Unternehmen über einen schwierigeren Zugang zu Krediten und bekämen zunehmend Probleme, Investitionen vorzufinanzieren. Sorge bereite den Exporteuren ferner der weiter starke Euro-Kurs, der Ausfuhren in den Dollarraum verteuert.