Versicherer Ergo bereitet Münchener Rück Kopfschmerzen

Donnerstag, 5. November 2009, 15:36 Uhr
 

München (Reuters) - Deutschlands zweitgrößter Erstversicherer Ergo bereitet seiner Konzernmutter Münchener Rück zunehmend Sorgen.

Jörg Schneider, Finanzchef des weltgrößten Rückversicherers, kassierte am Donnerstag das mittelfristige Gewinnziel für die Düsseldorfer Tochter. Die bis 2012 angestrebten mehr als 900 Millionen Euro Jahresgewinn seien nicht mehr realistisch.

In den ersten neun Monaten 2009 brach der Ergo-Gewinn um drei Viertel auf 73 Millionen Euro ein. Hohe Abschreibungen im Zuge der Finanzkrise lasteten auf dem Ergebnis. Seit dem zweiten Quartal ist das Unternehmen, bekannt für Marken wie Victoria und Hamburg-Mannheimer, aber zumindest wieder in den schwarzen Zahlen. Die Ergo wollte vor allem durch Kosteneinsparungen und Wachstum im Ausland in den nächsten Jahren glänzen.

Schneider sagte, es gebe vorerst kein neues Gewinnziel für die Tochter. Ergo könne aber noch immer eine Rendite von zwölf bis 15 Prozent auf das Eigenkapital erreichen. Das Sparprogramm müsse dafür nicht ausgeweitet werden. Ergo-Chef Torsten Oletzky will ab nächstem Jahr 180 Millionen Euro einsparen - 1800 Jobs sollen dafür wegfallen.

RÜCKVERSICHERUNG GLÄNZT

Im Kerngeschäft läuft es für die Münchener Rück wesentlich besser: Die Rückversicherung profitierte von vergleichsweise niedrigen Belastungen durch Großschäden. Vor allem die Hurrikan-Saison verlief bisher glimpflich. So kletterte das operative Ergebnis der Kernsparte im dritten Quartal auf knapp eine Milliarde Euro, nach 147 Millionen im Jahr zuvor. Zudem legte das Kapitalanlageergebnis der Gruppe angesichts der Börsenerholung um mehr als das Dreifache auf 2,23 Milliarden Euro zu. Im Vorjahr musste der Konzern im Zuge des Börsen-Crashs nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers noch hohe Abschreibungen verkraften.

Unter dem Strich verdiente die Münchener Rück von Juli bis September 644 Millionen Euro, nachdem im Jahr zuvor ein Verlust von drei Millionen angefallen war. Analysten hatten im Schnitt aber mit 700 Millionen Euro Gewinn gerechnet. An der Börse fiel die Aktie um 1,3 Prozent auf unter 106 Euro und war einer der größten Verlierer im Leitindex Dax. Finanzchef Schneider sagte, höhere Steuerzahlungen seien der Grund für die verfehlten Erwartungen. Operativ sei es besser gelaufen als gedacht.

Auch der Erzrivale Swiss Re kehrte im dritten Quartal mit einem Nettoergebnis von umgerechnet 220 Millionen Euro in die Gewinnzone zurück. Allerdings musste der von der Krise viel stärker gebeutelte Konzern aus Zürich erneut fast eine Milliarde Franken abschreiben. Der Branchenvierte Hannover Rück will am Freitag seine Bilanz vorlegen. Experten erwarten einen Überschuss von 152 Millionen Euro.

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