Hannover Rück erhöht Jahresziele nach starkem Quartal

Freitag, 6. November 2009, 15:56 Uhr
 

Hannover (Reuters) - Der Rückversicherer Hannover Rück steuert dank einer ruhigen Hurrikansaison und der Erholung der Kapitalmärkte auf das zweitbeste Jahr der Firmengeschichte zu.

Aufgrund eines unerwartet starken dritten Quartals hob der weltweit viertgrößte Rückversicherer am Freitag seine Prognose an. Für das laufende Jahr rechnet Hannover Rück nun wieder mit einem Überschuss von mindestens knapp 700 Millionen Euro. Dieses zu Jahresbeginn bereits ausgegebene Ziel hatte der Konzern im Mai angesichts unsicherer Märkte auf 600 Millionen gesenkt. Im Rekordjahr 2007 hatte das Unternehmen 722 Millionen Euro verdient.

Die Aktionäre sollen für 2009 - nach einer Nullrunde im Vorjahr - eine Dividende von rund zwei Euro erhalten. Für 2010 stellte Finanzchef Roland Vogel weiteres Gewinn- und Beitragswachstum in Aussicht. Anleger ließen sich mitreißen und verhalfen der Aktie zum einem Plus von vier Prozent, während der Branchenindex leicht im Minus notierte.

"Für 2010 rechnen wir mit einem Wachstum der Bruttoprämie im Nicht-Lebensbereich im hohen einstelligen Prozentbereich", sagte Vogel im Reuters-Interview und ergänzte mit Blick auf den Ertrag: "Wir wollen 2010 eine Eigenkapitalrendite von über 15 Prozent erreichen." 2009 peilt Hannover Rück dank eines Zukaufs einen Wert von über 20 Prozent an.

Einen guten Teil des anvisierten Gewinns hat Hannover Rück nach neun Monaten in der Tasche: 578 Millionen. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen aufgrund des Börsencrashs - Hannover Rück legt wie andere Versicherer seine Beitragseinnahmen an den Kapitalmärkten an - ein Minus von 143 Millionen geschrieben. Infolge des Aufwinds an den Börsen stand beim Kapitalanlageergebnis stand per Ende September mehr als eine Verdopplung auf 850 Millionen zu Buche. Die Beitragseinnahmen (brutto) stiegen um ein Viertel auf 7,7 Milliarden Euro.

Hannover Rück schlug sich besser als die Konkurrenz. Während Marktführer Münchener Rück zuletzt trotz einer deutlichen Ergebnisverbesserung die Markterwartungen enttäuscht hatte, machten Swiss Re weiter hohe Abschreibungen zu schaffen. Großes Potenzial für weitere Kursaufschläge sehen einige Branchenexperten bei Hannover Rück aber nicht. Die Entwicklung sei eingepreist. "Die Aktie ist relativ teuer im Vergleich zur Peer Group", erklärte etwa LBBW-Analyst Robert Mazzuoli.

PREISE BLEIBEN STABIL

Die von der Branche anfangs geschöpften Hoffnungen auf infolge der Finanzkrise durchsetzbare deutliche Preisaufschläge hat wurden begraben. "Die Preise werden stabil bleiben", sagte Finanzchef Vogel. Nur in wenigen Bereichen wie dem Kredit- und Kautionsgeschäft, in dem sich Hannover Rück zuletzt verstärkt engagiert hatte, seien noch Aufschläge von "mindestens 20 Prozent" möglich. "In diesem Bereich sehen wir uns mittelfristig deutlich besser positioniert als bisher."

Die Branche hatte darauf gesetzt, dass viele Erstversicherer angesichts einer geschrumpften Kapitalbasis nicht mehr so viel Risiken allein tragen können und mehr an die Rückversicherer weitergeben müssen. Nun zeigt sich allerdings, dass Firmen und Privatkunden weniger für ihren Versicherungsschutz ausgeben. Auch der funktionierende Wettbewerb führt dazu, dass Preiserhöhungen nur dort möglich sind, wo sich die Belastungen zuletzt häuften, wie in der Managerhaftpflicht-, Flugzeug- oder Kreditversicherung.