Höhere Auslandsnachfrage beflügelt Industrie

Freitag, 6. November 2009, 15:58 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Industrie findet zu ihrer Rolle als Wachstumstreiber der deutschen Wirtschaft zurück.

Die steigende Nachfrage aus dem Ausland sicherte den Unternehmen im September das siebte Mal in Folge ein Auftragsplus. Von Frühjahr zum Sommer schnellten die Bestellungen sogar um 8,9 Prozent in die Höhe, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag mitteilte. Damit dürfte die Industrieproduktion auch im Herbstquartal zulegen. "Der Aufschwung gewinnt an Kraft", sagte Commerzbank-Experte Simon Junker.

Die Industrie dürfte das BIP-Wachstum im dritten Quartal kräftig angekurbelt haben. Der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, hält einen Zuwachs von bis zu einem Prozent für möglich. Allerdings dürfte der Schwung im kommenden Jahr wieder etwas nachlassen. "Im Moment sehen wir eine übernatürliche Dynamik, auch wegen des Lagerzyklus", sagte Treier. Viele Firmen hatten zu Jahresbeginn ihre Bestände geräumt und füllen nun die Lagerhallen wieder auf. Dieser Effekt dürfte in den kommenden Monaten schwächer werden. Zudem drohen Rückschläge: So bekamen bereits im September die Autohersteller das Auslaufen der Abwrackprämie zu spüren.

Die Aussichten für die Produktion seien trotzdem recht gut, sagte Treier, zumal viele Unternehmen auch noch nicht erledigte Aufträge aus früheren Monaten in den Büchern hätten. Mögliche Dämpfer kämen auch von verschärften Finanzierungsbedingungen: Nun müssten die Firmen das Anfahren der Bänder vorfinanzieren. Geben ihnen die Banken dafür keine Kredite, dürfte das den Aufschwung bremsen. Zudem steht der Industrie immer noch ein Arbeitsplatzabbau bevor, weil trotz der jüngsten Erholung immer noch lediglich ein Drittel des Einbruchs wettgemacht ist.

NACHFRAGE AUS DEM AUSLAND BELEBT SICH SPÜRBAR

Allein im September erhielten die Industriefirmen 0,9 Prozent mehr Aufträge als im Vormonat. Die Erholung habe damit im Verlauf des Sommers etwas an Fahrt verloren, erklärte das Wirtschaftsministeriums. Von Reuters befragte Analysten hatten für September mit einem Anstieg um 1,0 Prozent gerechnet, nachdem die Aufträge im August um revidiert 2,1 Prozent gestiegen waren. Grund für die weitere Belebung war die Auslandsnachfrage, die um 3,7 Prozent anstieg. Im Inland litt die Industrie dagegen unter dem Auslaufen der Abwrackprämie und sammelte 2,3 Prozent weniger Aufträge ein. So erhielten die Hersteller von Autos und Autoteilen zehn Prozent weniger Orders.

Gefragt waren vor allem Konsumgüter mit einem Auftragsplus von 7,5 Prozent. Trotz des Rückschlags für die Autohersteller erhielten die Investitionsgüterproduzenten 1,3 Prozent mehr Bestellungen. Erstmals seit Februar sammelten dagegen die Produzenten von Vorleistungsgütern weniger Bestellungen ein.

Die deutsche Wirtschaft hat sich im Frühjahr aus der Rezession gelöst. Mit Verspätung hinterlässt der scharfe Wirtschaftseinbruch vom Jahreswechsel immer noch Spuren in der Unternehmenslandschaft. Allein im August mussten 2619 Firmen den Gang zum Insolvenzrichter antreten, 12,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Experten gehen von einem weiteren Anstieg in den kommenden Monaten aus, weil die Reserven für schlechte Zeiten aufgebraucht sind.