Commerzbank führt neues Bonus-System für Top-Manager ein
Frankfurt (Reuters) - Die Commerzbank schiebt der Jagd von Top-Managern nach kurzfristigen Erfolgen und Bonus-Zahlungen einen Riegel vor.
Ab Januar 2010 sollen führende Banker nur noch eine Prämie bekommen, wenn sich ihre Geschäfte mittelfristig auszahlen. Zudem gehen Bonus-Ansprüche verloren, wenn Ziele nicht erreicht werden, wie die Commerzbank am Dienstag mitteilte. Vor allem im Investmentbanking, in dem in den vergangenen Jahren nach Ansicht von Kritikern teils überzogene Boni gezahlt wurden, soll sich das Gehalt künftig stärker an langfristig erzielten Ergebnissen ausrichten.
"Unser Modell bietet Anreize, langfristig für den nachhaltigen Erfolg der Commerzbank zu arbeiten", erklärte Personalchef Ulrich Sieber. Weltweit ist eine heftige Debatte um überhöhte Boni für Banker in Gang. Exzesse bei deren Bezahlung gelten als eine Ursache der Finanzkrise, die zahlreiche Banken zu Fall gebracht hat und Regierungen Milliarden kostete. Die führenden 20 Industrie- und Schwellenländer (G20) wollen mit schärferen Regeln gegen übermäßige Bonus-Zahlungen vorgehen.
Die Commerzbank-Manager der ersten und zweiten Führungsebene sowie die außertariflich bezahlten Mitarbeiter sollen künftig nach einem Bonus-Malus-System entlohnt werden. Im Kern bedeutet dies, dass Mitarbeiter in guten Zeiten besser bezahlt werden als in schlechteren Zeiten. Variable Gehaltsbestandteile werden künftig teilweise in Aktien-Anteilen vergeben, die erst nach drei Jahren ausgezahlt werden sollen. Die Höhe dieser Ausschüttung hängt somit von der Entwicklung des Aktienkurses ab. Zudem können Ansprüche verfallen, wenn aus Sicht der Bank zu hohe Risiken eingegangen worden sind. Im Investmentbanking soll der variable Anteil höher sein als in anderen, weniger riskanten Geschäftsbereichen. Die Höhe des Fixgehalts ändere sich nicht.
Mit der Änderung ihres Vergütungssystems erfüllt die Commerzbank auch eine Bedingung des Bundes für die Gewährung milliardenschwerer Hilfen. Der staatliche Banken-Rettungsfonds SoFFin hatte dem Institut 18,2 Milliarden Euro frisches Kapital zugeschossen und ist seither mit 25 Prozent plus einer Aktie größer Aktionär des zweitgrößten deutschen Geldhauses.
COMMERZBANK STREITET SICH VOR GERICHT UM BONUS
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat ebenfalls ein Bonus-Malus-System für Mitarbeiter angekündigt. Die zum italienischen Versicherungsriesen UniCredit gehörende HypoVereinsbank hat ein Vergütungssystem eingeführt, bei dem Boni nur noch gezahlt werden, wenn sich die jeweiligen Geschäftsbereiche positiv entwickeln.
Die Commerzbank streitet sich derzeit mit zahlreichen Investmentbankern vor Gericht um nicht gezahlte Boni. Darunter ist auch der Ex-Kapitalmarktchef der von der Commerzbank übernommenen Dresdner Bank, Jens-Peter Neumann, dem kürzlich vom Arbeitsgericht Frankfurt 4,5 Millionen Euro zugesprochen wurden. Die Vorstände der Dresdner Bank und ihrer früheren Mutter Allianz hatten einen Bonus-Topf von 400 Millionen Euro bereitgestellt, damit die Bank nicht schon vor dem Verkauf an die Commerzbank absprangen. Commerzbank-Chef Martin Blessing hatte diese Zusage nach einem Verlust von über sechs Milliarden Euro im vergangenen Jahr jedoch nachträglich platzen lassen.
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