Sparkassen wollen WestLB nicht mehr helfen - Zeit drängt
Frankfurt (Reuters) - Im Poker um die Rettung der WestLB stemmen sich die Sparkassen als Haupteigentümer mit aller Macht gegen weitere Milliardenhilfen.
Auch die Landesbanken sind nach Informationen aus Finanzkreisen nicht bereit, dem angeschlagenen Düsseldorfer Institut unter die Arme zu greifen. Dabei läuft der WestLB die Zeit davon: Bis Ende der Woche muss eine Lösung gefunden werden, weil dann Garantien auslaufen, die das Überleben der Düsseldorfer Großbank sichern. Eine Schließung hätte drastische Folgen für das Finanzsystem: "Mit der WestLB würden viele Banken kippen", sagte ein Insider.
Der Präsident des westfälisch-lippischen Sparkassenverbands (WLSGV), Rolf Gerlach, lehnte in einem Interview mit der "Börsen-Zeitung" (Dienstagausgabe) weitere Hilfen der Sparkassen für die WestLB ab: "Dazu sind wir prinzipiell nicht bereit." In die Kernbank zu investieren, sei für die öffentlich-rechtlichen Institute unsinnig, da sie auf Druck der EU-Kommission bis Ende 2011 ohnehin aussteigen sollten. Außerdem hätten die Sparkassen in den vergangenen Jahren mehr Geld in die WestLB gesteckt als die übrigen Eigentümer, vor allem das Land Nordrhein-Westfalen.
Die Sparkassen halten gut die Hälfte an der WestLB, die rund 87 Milliarden Euro an Risikopapieren in eine "Bad Bank" auslagern will. Für die übrig bleibende Kernbank benötigt sie Kreisen zufolge dringend drei bis vier Milliarden Euro.
Ein auf Drängen der Sparkassen anberaumtes Krisentreffen der Landesbanken-Chefs zur Mithilfe bei der WestLB-Rettung ging am Montagabend ohne Ergebnis zu Ende, wie es in Finanzkreisen hieß. Die Vorstände seien nicht bereit, auf die Forderungen der Institute einzugehen.
Die WestLB erklärte am Dienstag, sie sei in konstruktiven und zielführenden Gesprächen mit dem Bankenrettungsfonds des Bundes, SoFFin, über die Auslagerung der Portfolios. Es seien jedoch noch schwierige Haftungsfragen mit dem SoFFin und den Eigentümern zu klären.
Die Sparkassen hatten Kreisen zufolge gedroht, die WestLB in die Pleite gehen zu lassen, um dann über die Sicherungsreserve der Landesbanken Kapitalgeber außerhalb von Nordrhein-Westfalen zu finden. Bei einem Zusammenbruch der WestLB müssten ohnehin alle Spitzeninstitute über den Haftungsverbund geradestehen. Die Drohung laufe jedoch ins Leere, sagte ein beteiligter Banker. Bei einer Insolvenz der WestLB wären vor allem die Sparkassen selbst als Eigentümer der Landesbanken betroffen. Sie und das Land bürgen noch für Anleihen im Volumen von rund 50 Milliarden Dollar, die die WestLB noch in der Zeit der Gewährträgerhaftung begeben hatte.
Die nordrhein-westfälischen Sparkassen wollen zudem eine Beteiligung des Bundes. Dieser pocht Finanzkreisen zufolge aber darauf, dass die Sparkassen ihre Beteiligung an den Provinzial-Versicherungsgruppen verkaufen, um stille Reserven in Milliardenhöhe zu heben. Der Haftungsfall tritt erst dann ein, wenn die Eigentümer selbst die Waffen strecken müssen.
Nach dem gescheiterten Gesprächen mit den Landesbanken werde mit Hochdruck auf allen Ebenen weiterverhandelt, sagte eine mit den Gesprächen vertraute Person. Es handele sich um eine "extrem anspruchsvolle Verhandlungssituation", sagte ein Banker. Gerlach äußerte sich zuversichtlich, dass in den nächsten Tagen noch eine Lösung gefunden wird. Fortsetzung...

