Online-Dienst Twitter fühlt sich reif für große Pläne

Dienstag, 24. November 2009, 16:09 Uhr
 

Oxford/Tel Aviv (Reuters) - Nach dem Einstieg von Finanzinvestoren fühlt sich das Internet-Netzwerk Twitter stark genug für große Pläne.

Mitbegründer Biz Stone nimmt sowohl einen Börsengang des drei Jahre alten Unternehmens ins Visier als auch weitere Übernahmen. Vom kommenden Jahr an, glaubt er, wird der Online-Kommunikationsdienst Geld abwerfen. Dann will Twitter in seinen 140-Zeichen-Nachrichten auch Werbung ermöglichen.

Die konkreten Pläne dafür werde Twitter Anfang des neuen Jahres vorstellen, versprach Stone am Dienstag in Tel Aviv. Um die Nutzer nicht abzuschrecken, werde die Werbung anders gestaltet als bislang im Internet gewohnt, wo Banner und der Verkauf von Links zu Such-Schlagworten die meisten Umsätze generieren. Stone kündigte "nicht-traditionelle" Werbeformen an. "Alle werden es lieben. Es wird großartig sein", beschied er Skeptiker unter seinem Publikum, ohne Einzelheiten zu nennen.

In einem weiteren Schritt will Twitter zudem in andere Sprachräume expandieren. In der nächsten Welle nehme der Dienst "Französisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch" in Angriff. "Wenn das gut funktioniert, werden wir noch mehr Sprachen einführen", sagte Stone.

Stone will Twitter langfristig unabhängig zu halten. Es stehe kein Verkauf zur Diskussion, betonte er. "Wir wollen eine Firma aufbauen, die es lange Zeit geben wird", sagte er am Montagabend in Oxford. "Wenn das nur durch einen Börsengang geht, dann machen wir das. Gibt es aber eine andere Möglichkeit, ist das auch großartig."

Demnach ist Twitter "definitiv interessiert" an weiteren Zukäufen. Im Moment sei zwar nichts Spezielles am Horizont zu erkennen, meinte Stone in Tel Aviv. Der Kauf der Suchmaschine Summize im vergangenen Jahr habe sich aber als überaus gute Entscheidung entpuppt. "Da einige dieser Software-Entwickler unsere Aufmerksamkeit haben, werden wir sie uns ganz genau anschauen."

Twitter arbeitet wie viele andere soziale Netzwerke im Internet daran, ein existenzfähiges Geschäft aufzubauen, und hat sich im September mit dem Fondsgiganten T. Rowe Price und der Beteiligungsfirma Insight Venture Partners neue Geldgeber ins Haus geholt. Nach Angaben einer mit der Situation vertrauten Person belief sich die Kapitalspritze auf insgesamt 100 Millionen Dollar, was Twitter theoretisch einen Marktwert von einer Milliarde Dollar verschaffen würde. Die Investition gibt dem Dienst nach Stones Worten Rückenfreiheit: "Es gibt keine Termine, wann wir die Gewinnschwelle erreichen müssen. Wir haben genug Geld auf der Bank", sagte er in Tel Aviv.

Auch auf der Suche nach schlagkräftigen Partnern auf Unternehmensseite war Twitter zuletzt erfolgreich: Im Oktober wurden Kooperationen mit Microsoft und Google besiegelt, Anfang November eine Zusammenarbeit mit der Karriereplattform LinkedIn. Stone zufolge hält Twitter nach so viel Partnerschaften wie möglich Ausschau.

Auf Twitter können User kostenlos eine unbegrenzte Zahl von Kurznachrichten an eine Gruppe von Anhängern - sogenannte "Follower" - verschicken. Der Dienst ist eines der am schnellsten wachsenden sozialen Netzwerke im Internet und konkurriert mit Facebook und StudiVZ. Monatlich besuchen mehr als 40 Millionen Menschen die Twitter-Homepage. Politiker wie US-Präsident Barack Obama, Hollywood-Schauspieler wie Demi Moore oder Sänger wie Lenny Kravitz nutzen Twitter, um ihren Anhängern Kurznachrichten regelmäßig zukommen zu lassen.

 
<p>Biz Stone, co-founder of micro-blogging site Twitter, attends a news conference in Tel Aviv November 24, 2009. Twitter is interested in making more acquisitions as it continues to grow in popularity, Stone said on Tuesday. REUTERS/Gil Cohen Magen (ISRAEL BUSINESS SCI TECH)</p>