GM-Verkauf der schwedischen Luxusmarke Saab geplatzt

Dienstag, 24. November 2009, 19:27 Uhr
 

Stockholm/Detroit (Reuters) - Der bereits in trockenen Tüchern geglaubte Verkauf der schwedischen GM-Tochter Saab ist vorerst gescheitert.

Nach monatelanger Prüfung ließ die schwedische Sportwagenschmiede Koenigsegg die Übernahmegespräche am Dienstag platzen und stellte damit die Zukunft der defizitären Opel-Schwester in Frage. Für General Motors bedeutet der Zusammenbruch des Deals einen herben Rückschlag bei der Konzernsanierung. GM-Chef Fritz Henderson zeigte sich enttäuscht und sprach von einem plötzlichen Richtungswechsel bei Koenigsegg.

"Wir sind natürlich sehr enttäuscht von der Entscheidung, sich von dem Saab-Verkauf zurückzuziehen", sagte GM-Chef Henderson. "Viele haben in den vergangenen Monaten unermüdlich an einem Plan für eine dauerhafte Zukunft für Saab durch einen Verkauf an Koenigsegg gearbeitet." Nach dem überraschenden Rückzieher werde GM nun in den nächsten Tagen die Lage bewerten und in der kommenden Woche die nächsten Schritte bekanntgeben. Eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte, das GM-Direktorium wolle am kommenden Dienstag über die Zukunft von Saab beraten. GM hatte unlängst den Verkauf der deutschen Tochter Opel an den kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna überraschend abgesagt.

GM wollte Saab bis Ende nächsten Monats verkaufen. Aus Kreisen verlautete, es liefen keine Gespräche mit anderen Interessenten und eine Abwicklung von Saab sei wahrscheinlich. Nach der Krise steht die gesamte Autobranche im Zeichen der Konsolidierung.

Saab wollte ursprünglich die neue Limousine 9-5 in Rüsselsheim bauen. Mit dem geplanten Verkauf des schwedischen Autobauers sollte die Produktion jedoch nach Trollhättan verlagert werden. Dort produziert Saab seit 1949 - zuletzt mit rund 3400 Mitarbeitern. Aus Kreisen des schwedischen Industrieministeriums verlautete, ein anderer Käufer sei jetzt die einzige Option für Saab.

Koenigsegg zog sich rund fünf Monate nach der grundsätzlichen Einigung mit GM aus dem Saab-Deal zurück. Die Entscheidung sei schmerzhaft gewesen, sagte Koenigsegg-Chairman Augie Fabela. Die neue Strategie für Saab sei aber durch die Verzögerung des Abschlusses infrage gestellt worden. "Das Unternehmen wurde mit Barmitteln sehr kurz gehalten und irgendwann muss man die Firma zu einem Wachstumsmotor machen." Dies sei nicht mehr rechtzeitig möglich gewesen. Es habe nicht an der Finanzierung gefehlt, es sei nur nicht schnell genug gegangen.

Die exklusive Autoschmiede hatte staatliche Bürgschaften für die Übernahme beantragt. Die EU-Prüfung solcher Hilfen würde aber nach Einschätzung der Stockholmer Regierung noch mehrere Monate dauern. Koenigsegg setzte dabei auf staatliche Garantien für ein Darlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB) im Volumen von rund 450 Millionen Euro. Zudem holten die Schweden den chineischen Konzern Beijing Automotive Industrial Holding mit ins Boot.

Koenigsegg baute im vergangenen Jahr mit 45 Mitarbeitern nur 18 Extrem-Sportwagen, die je nach Modell mit über 1000 PS fast 400 Kilometer pro Stunde fahren können und mehr als eine Million Euro kosten. Saab gehört seit zwei Jahrzehnten zu GM und verkaufte im Jahr 2008 rund 93.000 Fahrzeuge - 1,1 Prozent des Gesamtabsatzes vom GM.

Der mit 50 Milliarden Dollar Staatshilfen gestützte Konzern aus Detroit hat im Früsommer binnen weniger Wochen den Insolvenzprozess abgeschlossen und will sich nun verschlanken. Doch die Trennung von mehreren Marken war bereits ins Stocken geraten, als ein vorläufig vereinbarter Verkauf der Marke Saturn an die Penske-Gruppe kurz vor Abschluss scheiterte.

Alle Autobauer stehen wegen der weitgehend gesättigten Märkte in Westeuropa und Nordamerika unter Druck, ihre Überkapazitäten abzubauen. Die in zahlreichen Ländern gezahlte Abwrackprämie hat die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise in Grenzen gehalten. Da ein Ende der staatlichen Hilfen absehbar ist, kommt die Branche nach Meinung der Experten nun aber nicht mehr darum herum, ihre Kosten zurückzuschrauben.

 
<p>Christian von Koenigsegg, CEO of Swedish carmaker Koenigsegg Group, poses at the entrance of SAAB automobile factory in Trollhattan, September 9, 2009. REUTERS/Adam Ihse/Scanpix Sweden (SWEDEN BUSINESS TRANSPORT)</p>