HSH Nordbank hofft auf Geld aus China - Verlust sinkt
Hamburg (Reuters) - Zur Stabilisierung der krisengeschüttelten HSH Nordbank hofft Bank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher auf Geld aus China.
Es sei wichtig, neue Eigner zu gewinnen, die - anders als der derzeitige private Großaktionär JC Flowers - bei Bedarf Kapital nachschießen können, sagte Nonnenmacher am Montagabend. Das im Schifffahrtssektor an die Weltspitze strebende China könne Interesse daran haben, sich an dem weltgrößten Schiffsfinanzierer HSH zu beteiligen. Gespräche gebe es aber noch keine. "Auch ein Börsengang ist eine Option", machte Nonnenmacher klar.
Die HSH rechnet damit, dass Hamburg und Schleswig-Holstein bis 2013/14 ihren Anteil an der Landesbank von derzeit 85 Prozent auf unter 50 Prozent reduzieren werden. Die Bank hofft, die Gespräche mit der EU, die diesen Schritt fordert, bis zur Jahresmitte abzuschließen. Strategische Partnerschaften seien möglich, angesichts der derzeitigen Notlage vieler Banken sei aber unklar, wer als Käufer für die auf den Markt kommenden Landesbanken-Anteile auftreten solle, sagte Nonnenmacher. Die in der Finanzkrise an den Rand des Zusammenbruchs geratenen Institute WestLB, BayernLB und LBBW müssen ebenfalls bald Teile oder das gesamte Unternehmen verkaufen, um EU-Auflagen zu genügen.
"In der Situation der HSH ist ein finanzstarker Investor wie China sicher kein Nachteil", sagte der Leiter des Bayerischen Finanz Zentrums, Wolfgang Gerke. Die Schifffahrtsexpertise der HSH könne für China durchaus interessant sein. "In der Not ist man wenig wählerisch." Ob Hamburg und Schleswig-Holstein etwa an einen chinesischen Staatsfonds verkaufen würden, ist unklar. "Die Frage nach Investoren wird dann beantwortet, wenn sie sich stellt", sagte ein Sprecher der Hamburger Finanzbehörde.
Bis zum "Exit" der bisherigen Eigner will Nonnenmacher die HSH wieder auf gesunde Füße stellen. Im abgelaufenen Jahr sank der Fehlbetrag bereits auf 679 Millionen (Vorjahr: minus 2,8 Milliarden) Euro. Für 2011 erwartet die HSH schwarze Zahlen. "2012 wollen wir voll dividendenfähig sein", sagte Nonnenmacher. Die Hintergründe der Verluste der HSH werden von Untersuchungsausschüssen in den Landtagen in Hamburg und Kiel beleuchtet. Die Landesbank musste infolge riskanter Kredit- und Wertpapiergeschäfte von den Ländern mit einer drei Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung sowie Garantien über zehn Milliarden Euro gestützt werden. Ein darüber hinaus vom Bankenrettungsfonds Soffin eingeräumter Garantierahmen wurde nun auf 17 (30) Milliarden Euro reduziert.
"Kapital und Liquidität sind nicht mehr das Problem der Bank", sagte Nonnenmacher. Mit einem stärker auf Risikokontrolle ausgerichteten Geschäftskonzept werde die HSH gegen künftige Krisen vorbauen. Wichtig sei - nach der erfolgten Veränderung von Strukturen - vor allem der Zeit brauchende Mentalitätswechsel. "Die Bank hatte einen absoluten Überhang von Leuten, die das Risiko genommen haben, im Gegensatz zu denen, die es überprüft haben", sagte er. Viele Mitarbeiter wird das Institut im Zuge seiner Gesundung noch verlieren. Ende 2012 will die HSH noch 3000 Beschäftigte zählen, 1100 weniger als vor der Krise. 2009 schlugen die Kosten für die Sanierung sowie für die Gebühren, die Hamburg und Schleswig-Holstein für ihre Milliarden-Garantien kassieren, mit 607 Millionen Euro zu Buche. Die Bilanzsumme schrumpfte im Zuge der Trennung von nicht mehr zum Kerngeschäft gezählten Aktivitäten um 33 Milliarden auf 175 Milliarden Euro. Die Kernkapitalquote stieg 2009 um gut drei Punkte auf 10,5 Prozent.
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