Lufthansa-Piloten zu Schlichtung bereit

Donnerstag, 1. April 2010, 16:01 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Im Tarifstreit zwischen der Lufthansa und ihren Piloten deutet sich eine Entschärfung an.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) nahm am Donnerstag das Angebot der Lufthansa an, den Konflikt bei der Vergütung und bei den Manteltarifverträgen von Lufthansa, Lufthansa Cargo und German Wings über die Einsetzung eines Schlichters zu lösen. Sie sei unverzüglich bereit, in die Gespräche einzusteigen, teilte sie in Frankfurt mit. Damit könnte dann der geplante viertägige Pilotenausstand im April abgewendet werden. Allerdings steht die Streikdrohung nach wie vor im Raum. "Wir müssen uns erstmal über die Bedingungen der Schlichtung klar sein und wären dann bereit, eine Friedenspflicht einzugehen", sagte ein Gewerkschaftssprecher.

Die Lufthansa begrüßte grundsätzlich das Eingehen der Gewerkschaft auf ihren Schlichtungsvorschlag. Der Konzern machte aber deutlich, dass vor einer Schlichtung erst die Streikandrohung zurückgenommen werden muss. "Die Gespräche zur Schlichtung können vereinbart werden, sowie die Streikandrohung vom Tisch ist", sagte ein Sprecher. Dies verursache Millionenschäden und Unsicherheit. "Das ist die Position des Vorstandes. Es gibt keine Schlichtung mit Streikandrohung." Friedenspflicht während einer Schlichtung sei selbstverständlich.

An der Börse wurde die Bewegung in dem Konflikt positiv gesehen: Die Lufthansa-Aktie legte 2,8 Prozent zu.

Der letzte großen Konflikt mit den Piloten im Jahr 2001 war in der Schlichtung beigelegt worden, Vermittler war damals der FDP-Politiker und frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher.

LUFTHANSA DROHT MIT MILLIONENKLAGE

Die Pilotengewerkschaft hatte einen viertägigen Streik der Flugzeugführer von 13. bis 16. April angekündigt. Ein eintägiger Ausstand im Februar hatte Lufthansa zufolge einen Schaden von rund 48 Millionen Euro verursacht. Etwa 2000 Flüge waren ausgefallen, und der Flugplan war noch mehrere Tage danach beeinträchtigt. Die Lufthansa hatte den Piloten bei einem erneuten Streik mit einer Millionenklage auf Schadenersatz gedroht. Käme es nun zu dem von VC geplanten Ausstand im April würde sich der Schaden auf deutlich mehr als 100 Millionen Euro aufsummieren, hatte Lufthansa-Arbeitsdirektor Stefan Lauer vorgerechnet. Es seien bereits Buchungsrückgänge zu verzeichnen.

Die Fluggesellschaft war 2009 tief in die roten Zahlen gerutscht. Sie will ihre Kosten um eine Milliarde Euro senken und auch bei den Piloten sparen. In dem bereits seit Monaten andauernden Streit geht es vor allem um den Konzerntarifvertrag, der die Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen der Piloten sichern soll. Die Piloten werfen der Lufthansa vor, den 1992 geschlossenen Vertrag abschaffen zu wollen. Sie befürchten, die Expansion des Konzerns ins Ausland werde zu Lasten der Piloten in Deutschland ausfallen.