USA bieten EADS Fristverlängerung für Tankjet-Gebot an

Donnerstag, 1. April 2010, 16:01 Uhr
 

Washington (Reuters) - Im Rennen um den umstrittenen Milliarden-Auftrag für US-Tankflugzeuge haben die USA dem europäischen Rüstungskonzern EADS eine Verlängerung der Bewerbungsfrist angeboten.

Der Abgabetermin könne um 60 Tage verschoben werden, wenn die Airbus-Mutter EADS ein Gebot vorlegen wolle, erklärte das US-Verteidigungsministerium am Mittwoch. Abgesehen von der möglichen Fristverlängerung seien aber keine Änderungen an der Ausschreibung geplant. EADS will das Angebot nun prüfen. Man habe schon darauf hingewiesen, dass eine Verlängerung der Frist um 90 Tage als Minimum betrachtet werde, um ein Gebot vorzulegen, hieß es. Das Pentagon erwartet eine Entscheidung von EADS innerhalb der nächsten Wochen. Der Auftrag hat ein Volumen von 35 Milliarden Dollar.

Die derzeitige Ausschreibung ist bereits der dritte Anlauf zur Vergabe des Auftrags zum Bau von zunächst 179 Tankflugzeugen. Ursprünglich sollte Boeing die Maschinen bauen. Als mit der Auftragsvergabe vor einigen Jahren aber einer der größten Beschaffungsskandale der USA aufflog, wurde die Entscheidung rückgängig gemacht. Bei der zweiten Ausschreibung kam 2008 EADS und sein US-Partner Northrop Grumman mit einer Version des A330 zum Zug. Nach Protesten von Boeing schrieb das Pentagon den Auftrag aber erneut aus. Auch darauf hatten EADS und Northrop geboten. Vor kurzem hatten sie sich aber zurückgezogen, weil sie sich gegenüber Boeing benachteiligt fühlten. EADS hat neben einer Verlängerung der bis zum 10. Mai laufenden Abgabe-Frist auch einige Änderungen an der Ausschreibung gefordert.

Der Ausschreibungsverlauf war auch in der Politik auf scharfe Kritik gestoßen. Sowohl deutsche als auch französische Politiker warfen den USA Protektionismus vor. Das Pentagon wies die Vorwürfe zurück und betonte sein Interesse an einer Offerte von EADS. Am Dienstag sicherte US-Präsident Barack Obama Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy erneut ein transparentes und faires Vergabeverfahren zu. Sarkozy erklärte daraufhin, sollte dies gegeben sein, werde EADS wieder in das Rennen einsteigen. Der französische Staat hält 15 Prozent an EADS, hat aber formal keine Entscheidungsbefugnis im Konzerngeschäft.

Unterstützer von Boeing kritisierten das neue Angebot des Verteidigungsministeriums heftig. Es sei empörend, dass die US-Regierung gegenüber den Europäern eingeknickt sei, sagte der republikanische Abgeordnete Todd Tiahrt aus Kansas. In dem Bundesstaat hat Boeing ein großes Werk.

(Reporter: Andrea Shalal-Esa; geschrieben von Stefanie Huber; redigiert von Kerstin Dörr)