Autopatriarch Piech will Lkw-Allianz vorantreiben
München (Reuters) - Nach jahrelanger Hängepartie macht Autopatriarch Ferdinand Piech die Lkw-Allianz zwischen MAN und Scania jetzt zur Chefsache.
"Die Kooperation will VW, will auch MAN, will auch Scania. Ich bin überzeugt, wir bringen sie zustande", sagte der Manager, der in Personalunion Aufsichtsratschef beim MAN-Konzern und bei dessen Großaktionär VW ist. VW wiederum hält die Mehrheit an Scania. "Wir sind auf einem guten Weg", sagte Piech, der ein weltweites Autoimperium schaffen will, das vom Kleinwagen über Sport- und Luxusautos bis zum Schwerlaster alle Fahrzeuge anbietet. Aktionäre kritisierten bei der MAN-Hauptversammlung am Donnerstag in München dieses Machtstreben.
Vehement forderten Vertreter der Anteilseigner klare Worte von Piech: "Sie müssen uns endlich sagen, was sie mit MAN wollen", verlangte Harald Petersen von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Piech verschob seine Aussagen mehrfach, dann, als sich die Reihen in der Messehalle schon merklich gelichtet hatten, bot er überraschend viel Einblick. Bislang habe die Allianz nicht geklappt, weil sowohl MAN als auch Scania die alleinige Führung beansprucht hätten, verriet Piech. "Das funktioniert relativ schlecht, wenn jeder will." Kritik übte der Patriarch an Ex-MAN-Chef Hakan Samuelsson und Scania-Vorstandsvorsitzendem Leif Östling. "Dass sich die Zwei nie geliebt haben, ist selbstverständlich. Sie hatten immer Ausreden, dass nichts passiert ist." Samuelsson arbeitete einst unter Östling bei Scania und verließ den Konzern im Streit. Der Manager sei ohne sein Wissen gefeuert worden, merkte Piech an. Samuelsson heuerte bei MAN an und versuchte 2006, Scania zu schlucken. Dies scheiterte - am Widerstand aus Schweden und aus Wolfsburg. Später übernahm VW die Ägide auf dem Weg zur Allianz.
"Eine Kooperation hängt von Menschen ab", sagte der Aufsichtsratschef. Mit dem Wechsel an der MAN-Spitze sei dies "etwas entspannter". Dem amtieren MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen wird ein gutes Verhältnis zu Piech nachgesagt; die beiden Österreicher eint auch ihre Ingenieursleidenschaft. Doch kaum hatte Piech Pachta gelobt, wischte er schon nebenbei dessen Aussagen zur Lkw-Allianz vom Tisch. Der MAN-Vorstandssprecher hatte noch kurz zuvor den Aktionären versichert: "Derzeit gibt es keine Gespräche über eine Zusammenarbeit und keine konkreten Projekte." Aus Piechs Mund klang das anders: "Es gibt von beiden Seiten Pläne und Dinge, die sofort angegangen werden können."
Er selbst habe jetzt mehr Zeit für dieses Thema, sagte Piech. VW hatte erst vergangene Woche eine Kapitalerhöhung abgeschlossen, durch die der Wolfsburger Hersteller, derzeit schon Europas größter Autobauer, an die Weltspitze aufsteigen will. Dazu wird bis 2011 der Porsche in den Konzern eingegliedert. 2009 hatte der Stuttgarter Sportwagenbauer versucht, VW zu übernehmen, ehe die Wolfsburger schließlich den Spieß umdrehten. Der Kampf Davids gegen Goliath sei zu Ende, sagte Piech. "Ich bin wieder etwas freier, kann mich wieder mehr um diese Kooperation kümmern."
Piech wies Vorwürfe der Aktionäre zurück, er habe Samuelsson wegen seiner Ablehnung der Lkw-Allianz zum Rückzug gezwungen. Der Manager habe nicht ausreichend gegen Korruption im Konzern vorgesorgt und deshalb seinen Hut genommen. "Das Schicksal hat sicherlich etwas geholfen." Ein Kleinaktionär schimpfte, Piech dulde "keine kritischen Geister" und glaube, "übers Wasser wandeln zu können". Er wolle alles unter Kontrolle bringen, was mehr als vier Räder habe. Samuelssons Entlastung wurde von der Hauptversammlung vertagt, ebenso wie die zweier weiterer Ex-Vorstände und die des Ferrostaal-Chefs.
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