Polens Präsident bei Flugzeugabsturz ums Leben gekommen

Samstag, 10. April 2010, 15:48 Uhr
 

Smolensk (Reuters) - Der polnische Präsident Lech Kaczynski ist bei einem Flugzeugabsturz in Russland ums Leben gekommen.

Die Maschine des Präsidenten mit 96 Menschen an Bord sei beim Landeanflug auf den russischen Flughafen Smolensk abgestürzt, teilte der Gouverneur der Region am Samstag mit. Von den Insassen habe niemand überlebt. Zum Zeitpunkt des Unglücks lag dichter Nebel über dem Flughafen. Möglicherweise war der Pilot Schuld an dem Unglück: Er hatte sich wohl Empfehlungen der Fluglotsen widersetzt.

An Bord des Flugzeugs waren auch Kaczynskis Frau Maria, der polnische Zentralbankchef Slawomir Skrzypek, Armeechef Franciszek Gagor sowie der stellvertretende Außenminister Andrzej Kremer und andere Politiker. Ministerpräsident Donald Tusk sprach vom, "tragischsten Ereignis in der polnischen Nachkriegsgeschichte". Tusk kündigte an, dass er umgehend an den Unglücksort reisen werde. Auch seine russischer Kollege Wladimir Putin werde sich nach Smolensk begeben, meldete die Agentur RIA.

KÖHLER: FURCHTBARER VERLUST FÜR POLEN

Bundespräsident Horst Köhler würdigte Kaczynski als großen Patrioten. Er habe "ein Leben lang leidenschaftlich für sein Vaterland gekämpft", sagte Köhler am Samstag in Berlin. "Sein Ziel war ein freies Polen in einem freien Europa." Kaczynski habe alle gemahnt, das Wissen um die Verbrechen von Nationalsozialismus und Kommunismus wachzuhalten und ihrer Opfer zu gedenken. So werde er auch in Erinnerung bleiben. "Polen hat heute einen furchtbaren Verlust erlitten."

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich schockiert über das Unglück. "Ich bin zutiefst bestürzt über den Absturz und den Tod des polnischen Präsidenten", sagte sie. In einem Kondolenzschreiben an den Ministerpräsidenten Donald Tusk erklärte die Regierungschefin: "Ganz Deutschland steht in dieser schweren Stunde in Mitgefühl und Solidarität an Ihrer und der Seite Polens". Bundestagspräsident Norbert Lammert sagte, es sei besonders tragisch, dass die Reise Kaczynskis mit dem erklärten Ziel einer Versöhnungsgeste zwischen Polen und Russland zu dieser Katastrophe geführt habe.

In Polen selbst löste der Tod des Staatsoberhaupts tiefe Trauer aus. An vielen Orten wurden Gottesdienste und Trauerfeiern veranstaltet. In Warschau legten Bürger Blumen vor dem Präsidentenpalast ab und zündeten Kerzen an. Auf dem Präsidentenpalast wehte die Fahne auf halbmast.

Kaczynski war auf dem Weg nach Katyn, um der polnischen Opfer des Massakers zu gedenken, das sowjetische Geheimpolizisten 1940 dort an rund 22.000 polnischen Offizieren und Intellektuellen verübt hatten. Mit dem Präsidenten flogen nach offiziellen Angaben auch Angehörige von Polen, die bei den Massenmorden in Katyn umgebracht worden waren. Kaczynskis Zwillingsbruder Jaroslaw soll nicht im Flugzeug gewesen sein.

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<p>Archivaufnahme des am 10. April 2010 bei einem Flugzeugabsturz get&ouml;teten polnischen Pr&auml;sidenten Lech Kaczynski in der Stanislaw- Kostka-Kirche am 19. Oktober 2005 in Warschau. REUTERS/Katarina Stoltz/Files</p>