Institute sehen auch 2011 keinen kräftigen Aufschwung

Mittwoch, 14. April 2010, 13:39 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die deutsche Wirtschaft wird nach Ansicht der führenden Forschungsinstitute auch im kommenden Jahr keinen kräftigen Aufschwung erleben.

Die Forscher veranschlagen in ihrem Frühjahrsgutachten ein Wachstum von 1,4 Prozent, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch von mehreren mit den Zahlen vertrauten Personen erfuhr. Damit bleibt die Zuwachsrate noch unter der Schätzung für das laufende Jahr, in dem die Institute ein Anziehen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,5 Prozent erwarten. Die Konjunkturexperten sehen die Aussichten für 2011 zugleich etwas pessimistischer als der Internationale Währungsfonds (IWF), der für 2011 ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent vorhersagt. Das Berliner DIW-Institut rechnet in einer separaten Prognose sogar mit plus 1,8 Prozent.

"Die Erholung ist intakt", verlautete aus mit den Beratungen zum Frühjahrsgutachten vertrauten Kreisen. Nach dem durch den strengen Winter getrübten Jahresbeginn sei im Frühjahr ein konjunktureller Aufholprozess in Gang. Die exportorientierte Wirtschaft profitiere dabei auch von der anziehenden Nachfrage nach hochwertigen Gütern "Made in Germany" aus Schwellenländern wie China und Indien: "In Asien spielt derzeit die Musik", hieß es dazu weiter. Vom privaten Konsum im Inland seien hingegen vorerst keine größeren Konjunkturimpulse zu erwarten.

DIW-INSTITUT FÜR WENIGER SUBVENTIONEN UND HÖHERE STEUERN

Das Berliner DIW, das seit einigen Jahren nicht mehr am gemeinsamen Gutachten der Institute teilnimmt, legte seine eigene Konjunkturprognose vor. Die Forscher gehen davon aus, dass die Wirtschaft 2010 um 1,7 Prozent wächst. "Es sieht so aus, als ob Deutschland der Krise erst einmal entkommen ist", sagte DIW-Präsident Klaus Zimmermann. Oberste Herausforderung für die nächsten Jahre sei es, die Schuldenlast in den Griff zu bekommen. Zimmermann bezeichnete die Lage der öffentlichen Haushalte als desolat und sieht deshalb keinen Spielraum für Steuersenkungen, wie sie Union und FDP planen.

"Um die Haushalte zu konsolidieren, werden wir vielmehr um Steuererhöhungen nicht herumkommen", betonte der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Der Staat müsse vor allem seine Ausgaben kürzen und die Subventionen herunterfahren. Da dies aber wohl nicht ausreiche, sei die Mehrwertsteuer zu erhöhen. Zimmermann bekräftigte seine frühere Forderung, eine Erhöhung der Verbrauchssteuer um sechs Prozentpunkte bringe Mehreinnahmen von rund 50 Milliarden Euro.

In ihrem Frühjahrsgutachten rechnen die Institute nach Informationen des "Handelsblatt" damit, dass die Defizitquote in diesem Jahr bei 4,9 Prozent liegt und im nächsten bei 4,2 Prozent. Die Bundesregierung rechnet derzeit mit einem Haushaltsloch von 5,5 Prozent in diesem Jahr. Die Arbeitslosigkeit werde im Jahresschnitt auf 3,38 Millionen sinken und 2011 weiter auf 3,31 Millionen nachlassen, wie die Zeitung berichtete.

GRIECHENLANDKRISE UNTER DER LUPE

Die acht Institute werden dem Vernehmen nach auch die Schuldenkrise Griechenlands und die drückenden Haushaltsprobleme anderer EU-Staaten in ihrem Papier detailliert beleuchten. "Dazu wird es gezielte Politikempfehlungen geben", hieß es. Die Forscher legen ihre sogenannte Gemeinschaftsdiagnose am Donnerstag vor. Sie dient als Grundlage für die Prognose der Bundesregierung und damit auch als Basis für die Steuerschätzung.

In ihrem Herbstgutachten hatten die Experten für dieses Jahr nur ein Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent vorhergesagt. Die Bundesregierung geht bisher von 1,4 Prozent aus. Zu den am Gutachten beteiligten führenden Instituten gehören das Kieler IfW, das Münchner Ifo-Institut, das IWH aus Halle, das RWI Essen, das gewerkschaftsnahe IMK aus Düsseldorf, die Zürcher KOF sowie die beiden Wiener Institute Wifo und IHS.