Commerzbank wittert wieder Morgenluft

Montag, 12. Juli 2010, 16:38 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Commerzbank wittert wieder Morgenluft. Die vom Staat gestützte Bank schrieb auch im zweiten Quartal Gewinn, Finanzvorstand Eric Strutz geht nun zuversichtlicher ins zweite Halbjahr.

"Die Ausgangslage für das Gesamtjahr hat sich wegen der günstigeren konjunkturellen Rahmenbedingungen verbessert", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Montag veröffentlichten Interview. Sollten die Finanzmärkte stabil bleiben, dürfte das Institut nach einem Verlust von 4,5 Milliarden Euro 2009 bereits in diesem Jahr in die schwarzen Zahlen zurückkehren. Die Commerzbank-Aktie hielt sich mit einem Plus von 0,5 Prozent am Montag besser als die übrigen europäischen Bankentitel.

"Das erste Halbjahr ist deutlich besser gelaufen als wir ursprünglich erwartet hatten", bilanzierte Strutz. Eine neue Prognose für 2010 will er aber erst im August geben. Bisher legt sich die Bank nur für das Kerngeschäft auf schwarze Zahlen fest. "Es ist wie bei der Tour de France: Die ersten Etappen sind gut gelaufen, aber es gibt noch einige Bergstrecken und wahrscheinlich auch den einen oder anderen Sprint", sagte Strutz. Der Gewinn werde kein Strohfeuer sein. "Es sieht so aus, als ob wir mit Rückenwind ins Jahr 2011 starten werden."

Von April bis Juni sei das Ergebnis wegen der Verwerfungen an den Finanzmärkten "nicht ganz so gut" ausgefallen wie die 771 Millionen Euro vor Steuern im ersten Quartal, räumte Strutz ein. Während damals ein großer Teil des Gewinns im Investmentbanking angefallen war, sei nun der Aufschwung im Mittelstand spürbar. "Wegen der generellen Unsicherheit an den Märkten haben sich die Kapitalmarktaktivitäten dagegen deutlich verhaltener entwickelt als im ersten Quartal", sagte Strutz. Voraussichtlich stehe auch nach Steuern ein Quartalsgewinn zu Buche. Analysten waren bisher laut I/B/E/S-Daten von einem kleinen Verlust ausgegangen.

KOMPLETTER RÜCKZUG DES STAATES 2015 "SPEKULATION"

Mit den schwarzen Zahlen schafft die Commerzbank eine Voraussetzung, um frisches Kapital einsammeln zu können, mit dem sie den Staat als Großaktionär ablösen will. Nach Ansicht von Analysten muss sie dazu über mehrere Quartale zeigen, dass sie nach der Fusion mit der Dresdner Bank Gewinn schreiben kann. Im Moment zögerten Investoren noch, der Bank Geld zu geben. Die Commerzbank musste in der Finanzkrise mit 18,2 Milliarden Euro vom Bankenrettungsfonds SoFFin gestützt werden.

Mit der Rückzahlung will sie spätestens 2012 beginnen, wie der Finanzvorstand bekräftigte. Nach Berechnungen von Analysten braucht die Commerzbank dazu rund 13 Milliarden Euro, die aus Kapitalerhöhungen, einbehaltenen Gewinnen oder der Freisetzung von überzähligem Kapital stammen könnten. "Im Moment machen wir unsere Hausaufgaben, die Bank so profitabel wie möglich zu machen, womit wir ebenfalls die Kapitalbasis stärken", sagte Strutz. Wann der Ausstieg des Staates abgeschlossen ist, ließ er offen. Der Chef des Parlamentarischen SoFFin-Kontrollgremiums hatte 2015 ins Gespräch gebracht. Strutz sagte, das sei "reine Spekulation". Ob dies gelinge, hänge unter anderem vom Verkauf des Immobilienfinanzierers Eurohypo ab, der bis 2014 über die Bühne gehen muss. Noch schreibt die Eurohypo Verluste.

STAATSKAPITAL HILFT COMMERZBANK BEIM STRESSTEST

Der Stresstest für die europäischen Banken ist nach Ansicht von Strutz für die Commerzbank kein Problem: "Wir fühlen uns mit unserer Kernkapitalquote sehr komfortabel ausgestattet. Nach ersten Berechnungen haben wir keine Sorge, dass unsere Quote unter Stressbedingungen auch nur im Entferntesten zu gering ist." Künftig könne die Bank womöglich sogar mit weniger Kapital auskommen - wenn der Baseler Ausschuss der Bankenaufseher nicht die Vorschriften an der falschen Stelle verschärfe: "Man muss aufpassen, dass etwa das Mittelstandsgeschäft nicht mit unpassenden Kapitalanforderungen unterlegt wird. Denn dieses Geschäft ist viel risikoärmer als oft unterstellt."

 
<p>A cake decorated with the new Commerzbank logo stands on a table at a Commerzbank branch in Frankfurt June 15, 2010. Commerzbank launched their new logo on Tuesday. REUTERS/Ralph Orlowski</p>