Verregneter Frühling verdirbt Praktiker die Geschäfte

Donnerstag, 22. Juli 2010, 14:27 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Baumarktkette Praktiker hat nach einem verregnetem Frühjahrsgeschäft ihre Umsatzprognose für das Gesamtjahr gesenkt.

Umsatz und Gewinn seien hinter den Erwartungen zurückgeblieben, räumte Praktiker-Vorstandschef Wolfgang Werner am Donnerstag ein. Verantwortlich sei die lange Schlechtwetterperiode im zweiten Quartal, die das saisonale Gartengeschäft stark beeinträchtigt habe. Sonnigeres Wetter im Juni habe die Bilanz nicht mehr retten können. Der Überschuss im zweiten Quartal brach um ein Viertel auf 25,8 Millionen Euro ein. Der Umsatz sank um sechs Prozent auf 1,04 Milliarden Euro.

Wegen der schlechten Geschäfte sei die Umsatzprognose für 2010 nicht mehr zu halten, so das Unternehmen. Der Erlös dürfte nun um bis zu fünf Prozent sinken, statt wie bislang erwartet leicht zu steigen. Der operative Gewinn solle aber weiterhin deutlich zulegen.

SONNE BRINGT KUNDEN

Im Juli strömten aber wieder mehr Kunden in die Praktiker-Märkte. "Das Sommerwetter spielt uns voll in die Karten", freute sich Werner. Vor allem tragbare Klimaanlagen und Ventilatoren seien gefragt. Das reiche aus aktueller Sicht aber nicht aus, um bereits eine Trendwende einzuläuten. Das Unternehmen aus dem saarländischen Kirkel kämpft seit längerem mit Gegenwind. Die Konkurrenz durch Marktführer Obi oder kleinere Ketten wie Bauhaus oder Toom ist aggressiv, die Margen hauchdünn. Im Rezessionsjahr 2009 litt Praktiker und seine Tochter Max Bahr noch stärker als der Rest der Branche unter der Kaufzurückhaltung der Kunden. Zudem erweis sich die Expansion nach Osteuropa als Problem. Der Konjunktureinbruch und der Kursverfall einiger Währungen belasteten das Geschäft. Jeder vierte Euro Umsatz wird bereits in Osteuropa erwirtschaftet.

Vorstandschef Werner verordnete seinem 22.000 Mitarbeiter starken Unternehmen deshalb vor wenigen Monaten einen neuen Kurs: Mehr eigene Marke ins Sortiment, weniger teure Rabattaktionen. Voriges Jahr hatte Praktiker noch an 60 Tagen mit einen Preisnachlass von 20 Prozent versucht, neue Kunden zu locken. Dieses Jahr solle es höchsten halb so viele Aktionen geben, sagte er weiter.