HeidelDruck im Aufwind - KBA macht Manroland Avancen

Dienstag, 10. August 2010, 15:21 Uhr
 

Stuttgart (Reuters) - Die von der Wirtschaftskrise gebeutelten deutschen Druckmaschinenhersteller schalten auf Wachstum um.

Beim weltweiten Branchenführer Heidelberger Druck füllten sich die Auftragsbücher wieder, sagte Konzernchef Bernhard Schreier am Dienstag. Getrieben vom Boom in Brasilien und China nehme die Investitionsbereitschaft der Druckereien zu. Mit der Rückkehr in die Gewinnzone sei wegen der hohen Schulden aber frühestens im kommenden Jahr zu rechnen.

Auch beim kleineren Konkurrent Koenig & Bauer (KBA) ist die Durststrecke mittlerweile vorüber. "Wir können uns auf Wachstum konzentrieren", sagte KBA-Chef Helge Hansen dem "Handelsblatt". Nachdem er bisher auf Eigenständigkeit gepocht hatte, legte Hansen nun dem - wie KBA - auf Zeitungsdruckmaschinen spezialisierten Rivalen und der Nummer zwei der Branche, Manroland, einen Zusammenschluss nahe. Bei Manroland und ihrem Großaktionär Allianz Capital Partners blitzten die Würzburger jedoch ab. Im Moment sei nicht der richtige Zeitpunkt für Gespräche über Fusionen, sagte eine mit der Situation vertraute Person. Bereits 2009 waren Gespräche über eine Fusion von Manroland und HeidelDruck ergebnislos geblieben. In Branchenkreisen hieß es, der Vorstoß von KBA-Chef Hansen könne als Botschaft an die Kunden von Manroland verstanden werden: "KBA ist im Moment sehr aggressiv unterwegs."

Mit dem immer stärkeren Rückenwind durch die Konjunktur setzt HeidelDruck-Chef Schreier auf die Rolle als Marktführer, für den angesichts massiver Staatshilfen eine Zusammenlegung mit anderen Unternehmen ohnehin ausgeschlossen ist. "Konsolidierung würde der gesamten Branche guttun", sagte Schreier zwar. Der mit 40 Weltmarktanteil im Bogendruck führende Anbieter beteilige sich aber nicht an derartigen Gesprächen. Für HeidelDruck stehe der steigende Absatz in Schwellenländern und der Ausbau des Geschäfts mit Verbrauchsmaterialien wie Farben im Fokus.

SCHWACHER EURO KURBELT EXPORTE AN

Die drei deutschen Hersteller decken mehr als die Hälfte des weltweiten Druckmaschinenmarkts ab. Der Wettbewerbsvorteil der in den USA (Goss) sowie Japan (Komori, Ryobi und Mitsubishi) ansässigen Konkurrenten schrumpfte zuletzt im Zuge der Aufwertung von Dollar und Yen, wie HeidelDruck-Chef Schreier sagte. Der Auftragsbestand habe mit 810 Millionen Euro den höchsten Stand seit 18 Monaten erreicht.

Im Umsatz schlägt sich die seit einigen Monaten wieder zunehmende Nachfrage nach neuen Druckmaschinen allerdings erst mit Verzögerung nieder. Im Auftaktquartal des Geschäftsjahres stieg der Umsatz bei HeidelDruck wechselkursbereinigt nur um drei Prozent auf 563 Millionen Euro. Da die Produktion noch nicht wieder auf vollen Touren läuft und der Schuldendienst Tribut fordert, wurde nach Steuern ein Verlust von 52 Millionen Euro verbucht, nach einem Minus von 69 Millionen Euro vor Jahresfrist. Zum Ende des Geschäftsjahres soll zumindest operativ ein ausgeglichenes Ergebnis erreicht werden.