LBBW steckt tief im Minus fest - Sanierung erschwert

Donnerstag, 26. August 2010, 17:34 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Deutschlands größte Landesbank LBBW kämpft weiter mit tiefroten Zahlen.

Im ersten Halbjahr sorgte die Schuldenkrise in Europa für hohe Verluste, der Vorstand kippte daraufhin seine Ergebnisprognose für 2010. Verbesserungen im Kundengeschäft wurden von massiven Abschreibungen auf Anleihen hoch verschuldeter Staaten in den Schatten gestellt. Das zeigt: Vorstandschef Hans-Jörg Vetter, der vor einem Jahr an die Konzernspitze gesetzt worden war, kommt mit der Sanierung der staatlich gestützten Landesbank-Baden-Württemberg (LBBW) nur mühsam voran.

Wie Vetter am Donnerstag betonte, machen die Rahmenbedingungen das Vorhaben schwieriger. Für den weiteren Jahresverlauf erwartet die LBBW zwar eine leichte Beruhigung der Finanzmärkte, aber keine grundlegende Entspannung. Eine seriöse Geschäftsprognose sei daher derzeit nicht möglich. Zuletzt hatte Vetter für 2010 noch eine "erhebliche Verbesserung des Ergebnisses" in Aussicht gestellt. Im vergangenen Jahr hatte die Bank einen Verlust von knapp 1,5 Milliarden Euro geschrieben.

In den ersten sechs Monaten 2010 setzte sich der Trend fort: Unter dem Strich stand ein Minus von 290 Millionen Euro nach einem Gewinn von 302 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. "Mit dem Halbjahresergebnis können wir nicht zufrieden sein, zeigt es doch die noch zu hohe Abhängigkeit von der Entwicklung der Finanzmärkte", räumte Vetter ein. Er verwies zugleich darauf, dass der Wertverlust auf die von der LBBW gehaltenen Staatsanleihen in Höhe von rund 650 Millionen Euro im ersten Halbjahr nur vorübergehend und mittlerweile großteils wieder aufgeholt sei. Die LBBW ist in beträchtlichem Umfang in schuldengeplagten Ländern wie Spanien, Portugal, Griechenland und Italien engagiert. "Es ist ein reiner Verlust in den Büchern. Mit diesem Jo-jo-Effekt - an einem Tag rauf, am nächsten runter - müssen wir leben", erklärte der Präsident der baden-württembergischen Sparkassen, Peter Schneider, die gut 40 Prozent an der LBBW halten.

KUNDENGESCHÄFT LÄUFT BESSER - WENIGER RISIKOVORSORGE

Um künftig weniger stark von den Höhen und Tiefen der Finanzmärkte gebeutelt zu werden, will Vetter den Bestand an Staatsanleihen und anderen Geldanlagen aus überschüssiger Liquidität (Kreditersatzgeschäft) weiter zurückfahren. Bis zum Jahresende sollen das Portfolio um mindestens sechs Milliarden Euro auf unter 60 Milliarden schrumpfen.

Im Kerngeschäft - vor allem mit mittelständischen Kunden - profitierte die LBBW von einer um knapp 60 Prozent geringeren Vorsorge für faule Kredite, die im ersten Halbjahr bei knapp 300 Millionen Euro lag. Das Zinsergebnis legte um gut neun Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zu. Die Kapitalausstattung verbesserte sich leicht: Die Kernkapitalquote stieg auf 10,1 von 9,8 Prozent.

Die LBBW hatte sich zuvor durch Fehlspekulationen und die Übernahme der angeschlagenen SachsenLB an den Rand des Abgrunds manövriert und musste von ihren Eigentümer - neben den Sparkassen das Land und die Stadt Stuttgart - mit fünf Milliarden Euro gestützt werden. Die EU-Kommission hatte der Bank im Gegenzug für die Staatshilfen den Verkauf zahlreicher Beteiligungen und eine umfangreichen Personalabbau verordnet.

 
<p>Die Zentrale der LBBW in Stuttgart am 7. Dezember 2009. REUTERS/Johannes Eisele</p>