Am Automarkt ziehen dunkle Wolken auf
Hamburg/Detroit (Reuters) - Die Hoffnungen der Automobilindustrie auf eine weitere Erholung der Pkw-Nachfrage haben einen Dämpfer erhalten.
Während die Autokäufer in Deutschland schon seit mehreren Monaten einen großen Bogen um die Schauräume der Händler schlagen, geht jetzt auch in den USA der Pkw-Nachfrage die Puste aus. Die Neuzulassungen auf dem einst größten Automarkt der Welt sackten im August auf das niedrigste Niveau seit 27 Jahren. Vor einem Jahr hatte die US-Abwrackprämie (Cash for Clunkers) einen Run auf Neuwagen ausgelöst. Einzig der boomende Markt in China sorgt bei Automanagern derzeit noch für freudige Gesichter. Die deutschen Autobauer leben nun vom vom Export, allerdings lässt hier das stürmische Wachstum der vergangenen Monate nach.
Angesichts einer zunehmenden Unsicherheit über die Wirtschaftsentwicklung und einer nach wie vor hohen Arbeitslosigkeit in den USA halten sich die Verbraucher dort mit Autokäufen zurück. Der Pkw-Absatz brach im August um ein Fünftel ein. "Die Konsumenten halten ihr hart verdientes Geld zusammen", sagte Marktforscher Jesse Toprak von TrueCar.com in Santa Monica. GM-Vertriebschef Don Johnson sieht die Autoindustrie dennoch weiter auf Erholungskurs. Das Risiko eines erneuten Rückfalls in die Rezession schätzt er als niedrig ein.
Bei der Opel-Mutter General Motors sanken die Neuzulassungen im vergangenen Monat um ein Viertel auf 185.000 Personenwagen und leichte Nutzfahrzeuge. GM bereitet zurzeit seine Rückkehr an die Börse vor und nannte jetzt erstmals einen konkreten Zeitpunkt. Da können Absatzrückgänge die Stimmung der Anleger leicht trüben. Potenzielle Investoren sollen Kreisen zufolge unmittelbar nach den US-Kongresswahlen am 2. November Details des geplanten Börsengangs erfahren. Die Rückkehr aufs Börsenparkett ist für den 17. und 18. November geplant.
GM hatte bereits vor einer schwächeren zweiten Jahreshälfte beim Absatz gewarnt. Beim Lokalrivalen Ford fiel das Minus wegen neuer Modelle mit elf Prozent weniger dramatisch aus. Der dritte im Bunde der US-Autobauer, die von Fiat kontrollierte Marke Chrysler, kam sogar auf ein leichtes Zulassungsplus von sieben Prozent. Allerdings wirkte sich hier aus, dass Chrysler nach der Insolvenz vor einem Jahr kaum Autos verkauft hatte.
Herbe Verkaufsrückgänge verbuchten auch die japanischen Autobauer: Toyota minus 34 Prozent, Honda minus 33 Prozent. Etwas weniger hart erging es Hyundai (minus 11,4 Prozent) und Kia (minus 19). Die beiden koreanischen Marken waren dank ihres Angebots an günstigen Wagen besonders stark gewachsen.
OBERKLASSEAUTOS 'MADE IN GERMANY' GEFRAGT
Die deutschen Autobauer profitierten davon, dass betuchte Amerikaner sich von wirtschaftlicher Unsicherheit oder hohen Benzinpreisen nicht abschrecken lassen, und in den USA Oberklasseautos und sportliche Geländewagen 'made in Germany' hoch im Kurs sind. Die VW-Tochter Audi legte um 14 Prozent zu, die Pkw-Gruppe des Stuttgarter Daimler-Konzerns kam auf einen Zuwachs um 7,4 Prozent. Der zu Volkswagen gehörende Sportwagenbauer Porsche schlug sogar ein Drittel mehr als vor einem Jahr los. Vor allem der neu aufgelegte Geländewagen Cayenne fand reißenden Absatz. Klassische Sportwagen waren weniger gefragt.
Volkswagen musste dagegen einen Verkaufsrückgang um acht Prozent hinnehmen. Grund war unter anderem, dass sich der Jetta weniger verkaufte. Ende September kommt eine neue Version des für VW in den USA besonders wichtigen Modells in die Schauräume. Üblicherweise geht der Verkauf eines älteren Modells vor einer Neueinführung zurück.
In Deutschland sanken die Neuzulassungen um 27 Prozent. Vor einem Jahr hatte die Abwrackprämie im August noch für hohe Verkaufszahlen gesorgt, bevor die Prämie im September auslief. Ihre Werke können die Hersteller trotzdem gut auslasten, da der Export brummt. Im August wurden mehr als 250.000 Fahrzeuge ins Ausland verschifft, plus zwölf Prozent. Seit Jahresbeginn erhöhten sich die Lieferungen an Kunden jenseits der Grenzen um 36 Prozent. Im vergangenen Monat liefen 338.000 Pkw und Kombi von den Produktionsbändern in den Autofabriken, plus vier Prozent.
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