Anglo Irish soll stillgelegt werden
Dublin (Reuters) - Die irische Regierung will die angeschlagene staatliche Anglo Irish Bank auf lange Sicht stilllegen.
Die am Mittwoch von Finanzminister Brian Lenihan vorgelegten Pläne zur Aufspaltung des Instituts lassen allerdings die Kosten dafür und den genauen Zeitplan offen. Daher bezweifeln Volkswirte, dass das von der Finanzkrise besonders hart getroffene Land mit diesem Schritt die Märkte dauerhaft überzeugen kann. Viele Investoren befürchten, dass Irland nach Griechenland zum nächsten Krisenherd der Euro-Zone werden könnte. Finanzminister Lenihan zeigte sich dagegen zuversichtlich: "Die Lösung für unser am stärkten in Schwierigkeiten geratenes Institut ist zentral, um die Stabilität unseres Finanzsystem und das Vertrauen zu fördern."
Wie Lenihan erklärte, soll Anglo Irish in zwei eigenständige Teilinstitute aufgespalten werden. Das eine soll eine reine Einlagenbank sein - als vom Staat geschützter Hort für die Spargelder der Kunden. Diese soll komplett getrennt vom Kreditgeschäft der Anglo Irish agieren und direkt dem Finanzministerium gehören. Die andere Teilbank soll dazu dienen, die problembeladenen Immobilienkredite abzuwickeln. Die Regierung äußerte sich nicht dazu, wie lange dies genau dauern wird. Ministerpräsident Brian Cowen sagte aber, es sollte sich nicht länger als 15 Jahre hinziehen.
Mit seinem Vorhaben wischt Finanzminister Lenihan Pläne der Anglo-Führung vom Tisch, die die Bank auf einen Nischenanbieter für Firmenkredite gesundschrumpfen wollte. Dazu sollten die Immobilienkredite des Probleminstituts in Höhe von 36 Milliarden Euro nach Vorschlag des Managements in die staatliche Bad Bank Irlands übertragen werden.
Wie viel Geld die Regierung in Dublin für ihren Plan in die Hand nehmen muss, soll sich bis Oktober klären. Dann soll die heimische Zentralbank den jeweiligen Kapitalbedarf der beiden Teilbanken bekanntgeben.
Analysten zeigten sich von dem Vorhaben wenig überzeugt. "Es mag vorübergehend etwas den Druck lindern", sagte Alan McQuaid von Bloxham Stockbrokers. "Aber ich glaube nicht, dass es eine Lösung ist, was die Sorgen des Marktes betrifft", fügte McQuaid hinzu: "Die Frage ist: Wie viel wird es kosten."
Das Management äußerte sich in einer ersten Reaktion erleichtert, dass die Regierung nun Klarheit mit ihren Plänen gebracht habe. Eine endgültige Entscheidung der EU-Kommission, mit der Irland über Anglo Irish verhandelt, sei für die kommenden Wochen zu erwarten. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia begrüßte die Entscheidung Irlands im Grundsatz, betonte aber zugleich, dass noch einige Aspekte zu klären seien.
Die Anglo Irish war mit dem Kollaps des Immobilienmarktes ins Taumeln geraten. Die Kosten für das inzwischen verstaatlichte Institut brockten Irland 2009 das höchste Haushaltsdefizit der EU ein.
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