Obama: Koran- Verbrennung verschafft Al-Kaida Zulauf

Donnerstag, 9. September 2010, 17:21 Uhr
 

Washington (Reuters) - Die in den USA geplante Koran-Verbrennung könnte nach den Worten von Präsident Barack Obama zu Selbstmordanschlägen durch Islamisten in Amerika und Europa führen.

"Das ist eine Rekrutierungs-Goldgrube für die Al-Kaida", sagte Obama am Donnerstag dem US-Fernsehsender ABC. Die kleine Christengruppe in Florida müsse die für den neunten Jahrestag der Anschläge des 11. September geplante Aktion überdenken, sagte Obama. Die Aktion widerspreche den amerikanischen Werten von Glaubensfreiheit und religiöser Toleranz. Zudem setze sie die US-Soldaten in Afghanistan und im Irak zusätzlicher Gefahr aus.

Mehrere asiatische Staaten forderten die US-Regierung auf, die Pläne des Dove World Outreach Center zu stoppen. Das indische Innenministerium appellierte an die Medien, keine Bilder von der geplanten Koran-Verbrennung zu veröffentlichen. Indonesien - der Staat mit der größten muslimischen Bevölkerung - rief Obama auf, persönlich einzuschreiten. Eine Schändung des Koran würde den Weltfrieden stören, erklärte die Regierung. Auch der Irak forderte die US-Regierung auf, die Verbrennung zu verhindern.

Die US-Behörden können juristisch jedoch nicht gegen die Aktion vorgehen: Gotteslästerung ist in den USA durch das Recht auf Meinungsfreiheit nach dem Ersten Verfassungszusatz geschützt. Dieser verbürgt auch die Religionsfreiheit.

Das Dove World Outreach Center ist eine bislang wenig bekannte Gruppe mit 30 Mitgliedern. Ihr erklärtes Ziel ist es, den Islam als eine "gewaltsame und repressive Religion" zu entlarven. Pastor Terry Jones hatte mehrere Jahre in Deutschland gearbeitet und die Christliche Gemeinde Köln (CGK) gegründet. Diese hat sich von Jones distanziert.

WARNUNG VOR FOLGEN FÜR CHRISTLICHE MINDERHEITEN

Seit Tagen verurteilen Politiker, Geistliche, Militärs und Prominente in den USA und aus aller Welt den Plan. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat das Vorhaben als "respektlos, sogar abstoßend und einfach falsch" verurteilt. Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland sprach von einer "schrecklichen und abstoßenden Vorstellung" und verwies auf die Bücherverbrennungen der Nazis.

Am Donnerstag warnte ein US-Bischof in Paris vor schwerwiegenden Folgen für die in muslimischen Staaten lebenden christlichen Minderheiten. Diese könnten sich Racheakten ausgesetzt sehen, erklärte der Anglikaner Pierre Whalon. "Wenn Kirchen oder Bibeln verbrannt werden, wenn Christen angegriffen oder ermordet werden, wird nicht nur unsere Gemeinschaft, sondern auch die ganze Welt diejenigen zur Verantwortung ziehen, die das Feuer gelegt haben."

 
<p>U.S. President Barack Obama speaks about the economy at the Cuyahoga Community College West Campus in Parma, Ohio, near Cleveland, September 8, 2010. REUTERS/Larry Downing</p>