Märkte fürchten trotz Irland-Hilfe Ausweitung der Krise

Dienstag, 23. November 2010, 16:17 Uhr
 

Madrid/Dublin (Reuters) - An den Finanzmärkten breiten sich trotz des Milliarden-Schutzschirms für Irland Ängste vor einem Ausweiten der Euro-Schuldenkrise aus.

Misstrauische Anleger zwangen am Dienstag das hoch verschuldete Spanien dazu, für neue Kredite deutlich höhere Zinsen zu zahlen als bislang. Auch die Gefahrenzulagen für die Staatsanleihen anderer schuldengeplagter Länder wie Irland, Griechenland und Portugal legten deutlich zu. Vor allem sorgte die politische Krise in Irland für Sorgenfalten bei den Anlegern. So blieb völlig unklar, ob die angeschlagene Regierung einen Nothaushalt auf die Beine stellen und damit den Weg für Finanzhilfen ebnen kann. Dagegen sicherte sich Griechenland mit seinen Sparanstrengungen weitere Milliardenhilfen von EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF).

"LAGE FÜR SPANIEN WIRD BRENZLIGER"

Spanien konnte sich am Finanzmarkt mit dem Verkauf von Staatsanleihen insgesamt 3,3 Milliarden Euro leihen. Dabei musste das Land aber trotz einer regen Nachfrage teilweise fast doppelt so hohe Zinsen zahlen wie noch Ende Oktober. "Verglichen mit der vorigen Auktion zeigt das, dass die Lage für Spanien brenzliger wird", erklärte Commerzbank-Stratege David Schnautz. Der Risikoaufschlag auf spanische Anleihen kletterte auf den höchsten Stand seit der Euro-Gründung.

Die Anleger sind nicht davon überzeugt, dass mit der Hilfe für Irland nun einen Schlussstrich unter die Haushalts- und Bankenprobleme vieler EU-Länder gezogen wird. "Die Märkte gucken noch immer, wer als nächstes dran ist: Portugal oder Spanien?", sagte der Anleihehändler Charles Berry von der Landesbank Baden-Württemberg. Für ihn war die Antwort klar: "Viele wirtschaftliche Kennziffern aus Portugal sind sogar schlechter als die irischen. Man muss also kein Prophet sein, um zu sagen, dass Portugal als nächstes mehr Geld brauchen wird."

Die politische Entwicklung in Irland schürt weitere Unruhe unter den Anlegern. Das Schicksal der Regierung von Ministerpräsident Brian Cowen in Dublin hängt am seidenen Faden - und damit auch die Auszahlung erster Hilfen unter dem Rettungsschirm von IWF und EU. Cowen will vor Neuwahlen zunächst einen Sparhaushalt durchs Parlament bringen - eine Voraussetzung für die Geldspritze aus Brüssel. Eine Mehrheit für das Budget ist ihm jedoch alles andere als gewiss und die Forderungen der Opposition nach sofortigen Neuwahlen werden lauter. Die Oppositionspartei Sinn Fein kündigte an, sich für einen Misstrauensantrag starkzumachen. Die EU forderte Irland deshalb erneut eindringlich dazu auf, den Sparhaushalt rechtzeitig zu verabschieden.

Es gilt als ausgemacht, dass Cowen in dem Budget den Mindestlohn senken, Sozialausgaben zusammenstreichen und die Steuern erhöhen will. Die Gewerkschaften haben bereits gewarnt, dass der Haushalt soziale Unruhen auslösen könne.

Auch in Griechenland hat der eiserne Sparkurs der Regierung in Folge des Rettungspaketes heftige Proteste ausgelöst. Die wichtigste Gewerkschaft des Landes erklärte am Dienstag, angesichts der Sparmaßnahmen in vielen Ländern europaweite Streiks organisieren zu wollen. Die Gläubiger sind dagegen mit der Regierung zufrieden: IWF, EU und die europäische Zentralbank (EZB) attestierten nach einer Überprüfung der Finanzen gute Fortschritte beim Sparen und wollen deshalb weitere Hilfszahlungen von neun Milliarden Euro freigeben. Griechenland hatte im Mai als erstes Land der Euro-Zone ein Rettungspaket mit dem IWF und der EU vereinbart, um eine Staatspleite abzuwenden. Es hat ein Volumen von insgesamt 110 Milliarden Euro.

 
<p>Traders are pictured at their desks in front of the DAX board at the Frankfurt stock exchange November 23, 2010. REUTERS/Remote/Amanda Andersen</p>