Trichet: Euro mindestens so stabil wie die D-Mark

Freitag, 7. Januar 2011, 15:25 Uhr
 

Wildbad Kreuth/Frankfurt (Reuters) - EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sieht trotz des jüngsten Preisanstiegs keine Inflationsgefahren am Horizont.

"Der Euro ist eine stabile Währung, so stabil wie seine stabilsten Vorgängerwährungen, einschließlich der D-Mark", sagte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) am Freitag bei der traditionellen Klausurtagung der CSU in Kreuth. "Preisstabilität für diesen großen Währungsraum gesichert zu haben, und sie allen Indikatoren entsprechend auch für die absehbare Zukunft gesichert zu wissen - das ist die entscheidende Errungenschaft der währungspolitischen Säule in der Wirtschafts- und Währungsunion."

Die Teuerungsrate in den Euro-Ländern war zuletzt zum ersten Mal seit rund zwei Jahren auf 2,2 Prozent geklettert und lag damit über dem Zielwert der Notenbank von knapp unter zwei Prozent. Fachleute führen dies jedoch auf die ohnehin sehr schwankungsanfälligen Preise für Energie und Lebensmittel zurück. Die sogenannte Inflations-Kernrate, in der diese nicht enthalten sind, liegt weiterhin in der Nähe von einem Prozent. Für die Geldpolitik der EZB bedeutet dies, dass sie noch lange damit warten kann, ehe sie an der Zinsschraube drehen muss, auch wenn zuletzt die Inflationserwartungen leicht anzogen.

Der Leitzins in der Euro-Zone liegt seit Mai 2009 bei einem Prozent. Der EZB-Rat entscheidet das nächste Mal am Donnerstag über den Schlüsselzinssatz. Mit einer Änderung wird nicht gerechnet. Analysten gehen davon aus, dass die EZB frühestens gegen Ende des Jahres über eine Straffung ihrer Geldpolitik nachdenken dürfte.

Trichet warnte vor dem Hintergrund der vor allem deutschen Diskussion um die Zukunft der Euro-Zone vor Schwarzmalerei. Es sei sehr wichtig, dass die wirtschaftspolitische Säule der Gemeinschaft in diesem Jahr endlich stabilisiert werde, damit Krisenfälle wie Griechenland oder Irland möglichst nicht mehr vorkommen könnten oder aber zumindest besser handhabbar würden. Die währungspolitische Säule der Euro-Zone, für die die Notenbank verantwortlich ist, habe in den zwölf Jahren seit Einführung des Euro ihre Tragkraft bewiesen, fügte Trichet hinzu. "Europa ist keine Inflationsgemeinschaft geworden. Und wird es nicht werden." Trichet muss sein Amt Ende Oktober turnusmäßig abgeben. Bundesbank-Präsident Axel Weber gilt als einer der heißesten Kandidaten auf die Nachfolge des 68 Jahre alten Franzosen.