Festnahmen nach Niederschlagung der Proteste in Bahrain

Donnerstag, 17. März 2011, 15:10 Uhr
 

Manama (Reuters) - Einen Tag nach der Niederschlagung der Proteste von Regierungsgegnern in Bahrain sind am Donnerstag mindestens sechs Anführer der Opposition festgenommen worden.

Den Oppositionellen werde Anstiftung zum Mord, die Beschädigung fremden Eigentums und Kommunikation mit dem Ausland zur Last gelegt, berichtete das staatliche Fernsehen. Im Iran und Irak regte sich unterdessen Unmut über die Entsendung saudiarabischer Soldaten nach Bahrain.

Die oppositionelle Wefak-Partei erklärte, unter den Festgenommenen seien der Chef der schiitischen Hak-Bewegung, Hassan Muschaima, und der Chef der Wafa-Bewegung, Abdel Wahhab Hussein. Die Wafa hatte den Sturz der königlichen Familie gefordert. Die moderatere Wefak hatte ihre Forderungen auf weitgreifende politische Reformen begrenzt.

Am Mittwoch hatte die Regierung mit Gewalt auf die wochenlangen Proteste in dem arabischen Inselstaat reagiert. Die Sicherheitskräfte räumten mit Tränengas und Panzern den Perlenplatz in der Hauptstadt Manama, dem Zentrum der Demonstrationen. Dabei wurden drei Polizisten und drei Demonstranten getötet. Die Opposition sprach von "einem Vernichtungskrieg".

Die UN-Kommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, forderte Bahrains Regierung auf, ihre Sicherheitskräfte in die Schranken zu weisen. Sie berief sich auf Berichte, dass Demonstranten willkürlich getötet, geschlagen und festgenommen worden seien. Zudem seien den Meldungen zufolge auch Rettungskräfte angegriffen worden.

IRAK UND IRAN FORDERN ABZUG SAUDIARABISCHER TRUPPEN

Unterdessen lehnte Kuwait es ab, Truppen nach Bahrain zu entsenden, um bei der Bekämpfung der Protestbewegung zu helfen. Außenminister Scheich Mohammed al Sabah sagte der arabischen Zeitung "Al-Jarida", sein Land sei aber bereit, in dem Konflikt zu vermitteln. Bahrain hatte Kuwait im Rahmen eines Verteidigungspakts der Golfstaaten um Unterstützung gebeten. Saudi-Arabien hatte in dieser Woche rund 1000 Soldaten entsandt und die Vereinigten Arabischen Emirate 500 Polizisten.

Das Königshaus in Bahrain ist sunnitisch, eine der zwei großen Glaubensrichtungen des Islam. Etwa 60 Prozent der Bevölkerung sind dagegen Schiiten, die Diskriminierung beklagen und die Masse der Demonstranten stellen.

Der Streit in dem Staat mit der Größe Hamburgs sorgt auch für Unruhe in den Nachbarstaaten. Das streng sunnitische Saudi-Arabien etwa befürchtet ein Übergreifen der Proteste auf seine schiitische Minderheit, die insbesondere in den Ölfördergebieten lebt. Der Iran - der mächtigste Schiiten-Staat der Region - verurteilte die Gewalt. Die Islamische Republik forderte die Vereinten Nationen auf, alle nötigen Entscheidungen zu treffen, um ausländische Truppen zum Abzug aus Bahrain zu bewegen.   Fortsetzung...