Verkauf geplatzt - Deutsche Bank behält die BHF-Bank

Montag, 18. April 2011, 10:07 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Deutsche Bank bleibt überraschend auf der BHF-Bank sitzen.

Der Verkauf der mit Sal. Oppenheim übernommenen Tochter an die liechtensteinische Fürstenbank LGT sei geplatzt, obwohl ein unterschriftsreifer Vertrag vorgelegen habe, teilte die Deutsche Bank am Montag in Frankfurt mit. Als Grund führt das größte deutsche Bankhaus den Widerstand der Aufsichtsbehörden an. "Beide Institute hatten bereits Einigkeit über die Veräußerung der BHF-Bank erzielt", erklärte die Bank.

Einen neuen Anlauf zum Verkauf will die Deutsche Bank nicht nehmen. Stattdessen soll die 1500 Mitarbeiter zählende BHF-Bank enger in den Konzern eingebunden und - wie das auch die LGT geplant hätte - noch stärker auf das Geschäft mit wohlhabenden Kunden und mittelständischen Firmen ausgerichtet werden. Die BHF verwaltet Vermögen von mehr als 40 Milliarden Euro. Der Eigenhandel, das Investmentbanking und das große internationale Kreditgeschäft dürften damit wohl keine Zukunft haben.

Der Verkaufsprozess hatte sich schon länger hingezogen als erwartet. Eigentlich wollte die Deutsche Bank die BHF-Bank schon im vergangenen Jahr komplett verkauft haben und damit einen Großteil des Kaufpreises von rund einer Milliarde Euro für die angeschlagene Kölner Privatbank Sal. Oppenheim finanzieren. Über Eckpunkte hatte man sich kurz vor Weihnachten noch verständigt. Doch der Poker um die Übernahme der Kosten und Risiken, die weder Käufer noch Verkäufer tragen wollten, dauerte länger als geplant. "Der Teufel steckt im Detail", hatte es vor zwei Wochen in Verhandlungskreisen geheißen.

Vom Ziel eines Erlöses in Höhe des Buchwerts der BHF-Bank von rund 650 Millionen Euro hatte sich die Deutsche Bank längst verabschieden müssen. Zuletzt hatte die Fürstenbank LGT Kreisen zufolge knapp 400 Millionen Euro geboten. Sie wollte sich mit der BHF-Bank in Deutschland etablieren, nachdem es schwieriger geworden war, deutsche Millionäre nach Liechtenstein zu locken. Sie wollte auch die Marke BHF erhalten, nachdem der eigene Name in Deutschland mit dem Steuerskandal um den früheren Post-Chef Klaus Zumwinkel in Misskredit geraten war.

Für die Belegschaft der BHF-Bank hält die Unsicherheit an. Vor zwei Monaten hatte die Deutsche Bank noch allen Mitarbeitern des Frankfurter Instituts eine Beschäftigungsgarantie gegeben, wenn sie nicht mit zu LGT wechseln könnten: "Es ist vorgesehen, Mitarbeitern der BHF-Bank, die gegebenenfalls von der laufenden Transformation betroffen sind, ein Angebot zur Weiterbeschäftigung bei der Deutschen Bank zu unterbreiten." Ob dies auch unter den neuen Umständen so sein wird, ließ die Bank am Montag offen. Gewerkschafter hatten nach der Übernahme einen Kahlschlag befürchtet. Vor allem die Informationstechnik der BHF gilt als veraltet.

 
<p>A Deutsche Bank logo is pictured in front of the Deutsche Bank headquarters in Frankfurt February 24, 2011. REUTERS/Ralph Orlowski</p>