IWF: Griechenland hat keine weiteren Hilfen beantragt

Donnerstag, 12. Mai 2011, 12:14 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Griechenland hat bisher noch keine zusätzlichen Finanzhilfen beim Internationalen Währungsfonds (IWF) beantragt.

Bisher habe sich die Regierung in Athen nicht mit der Bitte nach einem weiteren Programm gemeldet, sagte IWF-Europachef Antonio Borges am Donnerstag. "Die Initiative dafür müsste natürlich von den Griechen ausgehen, wenn sie der Meinung sind, dass weitere Maßnahmen nötig sind." Der IWF sei bereit, dem hoch verschuldeten Euro-Staat weiter unter die Arme zu greifen.

Das griechische Spar- und Reformprogramm läuft nach Einschätzung des IWF nicht immer nach Plan. "Das Programm ist sehr nachhaltig und ehrgeizig gestaltet und da ist es normal, dass es die eine oder andere kleinere Abweichung vom Plan gibt", sagte Borges. Dafür habe es Fortschritte in Bereichen des Konsolidierungsprogramms gegeben, wo sie zu Beginn nicht zu erwarten gewesen seien. "Bei der letzten Überprüfung der Fortschritte des Programms in Griechenland haben wir festgestellt, dass das Programm ordentlich läuft." Zu Ergebnissen der derzeit laufenden Prüfung äußerte sich Borges nicht. Er sei nicht sicher, welche Schlüsse die Experten bei ihrer Überprüfung zögen, die im Juni abgeschlossen werde.

Deutschland beharrt bei weiteren Finanzhilfen an Griechenland auf Gegenleistungen. Mit der Regierung in Athen sei eine Kreditvereinbarung getroffen worden, sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble am Donnerstag im Bundestag. Wenn sich zeige, dass das Land die Auflagen nicht wie vereinbart erfüllt habe, sei es zunächst einmal selbst gefordert.

Griechenlands Wirtschaft wird von den Sparmaßnahmen der Regierung schwer getroffen und verharrt tief in der Rezession. Die Arbeitslosigkeit lag im Februar bei 15,9 Prozent, wie das Statistikamt mitteilte. Sie ist damit so hoch wie noch nie seit Beginn der Datenreihe 2004.

Borges sagte, Griechenland könnte seinen umfangreichen Staatsbesitz zum Schuldenabbau verwenden. "Einiges davon könnte recht leicht und damit mehr oder weniger sofort verkauft werden, einiges mittelfristig und einiges auf längere Frist." Insgesamt verfüge die griechische Regierung über Immobilienbestände im Wert von 280 Milliarden Euro, dazu kämen Firmenbeteiligungen. Die bisher genannten 50 Milliarden Euro an möglichen Privatisierungserlösen seien daher nur etwa ein Fünftel der Summe, die durch Verkäufe eingenommen werden könnte.