RWE-Chef Großmann geht in Niederlanden auf Atom-Kurs

Dienstag, 17. Mai 2011, 18:36 Uhr
 

Düsseldorf/Amsterdam (Reuters) - Der in Deutschland vom Atom-Ausstieg bedrohte Energiekonzern RWE treibt in den Niederlanden die Kernkraft voran.

Vorstands-Chef Jürgen Großmann erzielte nach über zweijährigem juristischen Tauziehen eine Vereinbarung mit dem niederländischen Versorger Delta zum gemeinsamen Betrieb des AKW Borssele. Delta bot RWE am Dienstag zudem an, sich mit 20 Prozent an einem Konsortium zu beteiligen, das an demselben Standort einen zweiten Meiler errichten will. RWE erklärte, dazu noch keinen Beschluss getroffen zu haben.

Großmann hat sich in den vergangenen Wochen wie kein anderer AKW-Betreiber für einen Weiterbetrieb der Meiler in Deutschland stark gemacht. Anders als E.ON, EnBW und Vattenfall hat er eine Klage gegen das Atom-Moratorium von Bundeskanzlerin Angela Merkel eingereicht. Der RWE-Manager hat damit den Protest von Atomkraftgegnern auf sich gezogen. Er bleibt jedoch dabei, dass auf die Kernenergie mit Blick auf den Klimaschutz, die Strompreise und die Versorgungssicherheit nicht verzichtet werden könne. In Deutschland betreibt RWE fünf AKW, darunter die im Zuge des Atom-Moratoriums stillgelegten Meiler Biblis A und B. Borssele ist die erste Beteiligung von RWE an einem Atomkraftwerk im Ausland.

DELTA WILL RWE UND EDF ALS PARTNER FÜR ZWEITES AKW

Zwei Jahre hat Großmann darum gekämpft, in den Niederlanden in die Atomkraft einzusteigen. Mit dem Konkurrenten E.ON will er auch in Großbritannien neue Meiler errichten. In einer Absichtserklärung mit Delta habe RWE nun vereinbart, 30 Prozent an dem AKW in Borssele im Südwesten des Landes zu übernehmen, teilte der Konzern mit. Delta übernehme den Rest der Anteile an dem 500 Megawatt-Meiler. Zu den Kosten für den Einstieg äußerte sich der Konzern nicht. Eine mit dem Vorgang vertraute Person bezifferte die Summe auf rund 600 Millionen Euro.

RWE hatte nach der Übernahme des niederländischen Versorgers Essent im Jahr 2009 Anspruch an dessen 50 Prozent-Anteil an dem AKW angemeldet. Delta, dem die andere Hälfte gehört, hatte dagegen jedoch vor Gericht Einspruch eingelegt. Daraufhin hatte RWE erklärt, ohne das Borssele-Paket rund 950 Millionen Euro weniger zu zahlen. Der Anteil blieb in der Hand der Essent-Eigner. Die niederländischen Provinzen und Gemeinden werden nun ausgezahlt.

Die niederländische Regierung hat angekündigt, einen zweiten Meiler errichten zu wollen. Delta und die von mehreren Kommunen gehaltene Energy Resources Holding haben ihr Interesse daran bereits angemeldet. Delta erklärte am Dienstag neben RWE auch den französische Energieriesen EdF ins Boot holen zu wollen.

 
<p>Juergen Grossmann, chief executive of German power supplier RWE, listens during the company's annual news conference in the German town of Essen February 24, 2011. REUTERS/ Ina Fassbender</p>