Energieagentur gegen alleinigen Atomausstieg Deutschlands

Montag, 23. Mai 2011, 07:40 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Internationale Energieagentur hat Deutschland einem Zeitungsbericht zufolge vor einem Alleingang beim Atomausstieg gewarnt.

Im Interesse der Region sollte die Bundesrepublik eine gemeinschaftliche Entscheidung in der EU anstreben, sagte IEA-Exekutivdirektor Nobuo Tanaka der "Financial Times Deutschland" (Montagausgabe) laut Vorabmeldung. "Sonst werden Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit in ganz Europa geopfert." Deutschlands Politik betreffe angesichts des Energie-Binnenmarktes ganz Europa. "Es geht nicht um ein deutsches, es geht um ein europäisches Problem." Deutschlands Versorgungssicherheit selbst werde sinken, weil das Land zunächst mehr Elektrizität und später mehr Gas oder Kohle als geplant importieren müsse. "Die Abhängigkeit von anderen Ressourcen wird zunehmen."

Nach der Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima I rechnet die IEA allerdings nicht nur wegen des deutschen Verhaltens damit, dass die Bedeutung der Kernkraft für die Stromversorgung abnimmt, wie die "FTD" weiter berichtete. Tanaka sagte demnach, man werde in die Projektionen seiner Organisation ein Szenario aufnehmen, in dem der Anteil der Kernkraft an der weltweiten Stromproduktion des Jahres 2035 statt 14 Prozent nur zehn Prozent betragen werde. Dieses Szenario biete weniger weltweite Versorgungssicherheit und sei teurer für die Verbraucher, weil dann mehr Strom aus Gas und aus erneuerbaren Energien erzeugt werden müsse.

Der aus Japan stammende IEA-Chef räumte ein, dass auch mit den für das alte Szenario nötigen neuen Atomkraftwerken der Strom teurer werde. Nach dem Zwischenfall in Fukushima sei es unvermeidlich, dass sie Sicherheitsstandards erhöht würden. "Kernkraftwerke könnten teurer werden", wurde Tanaka zitiert.

 
<p>"Tollwood" environmental activists empty symbolic nuclear waste barrels into a cage outside the Chancellery to protest against the government's nuclear energy policy calling for a swift nuclear energy exit in Berlin May 16, 2011. REUTERS/Thomas Peter</p>