Top-Manager warnen Politik vor Euro-Scheitern
München (Reuters) - 50 deutsche und französische Spitzenmanager haben in ganzseitigen Zeitungsanzeigen vor einem Scheitern des Euro gewarnt und weitere Finanzhilfen für hoch verschuldete Länder gefordert.
Auf einen eigenen Beitrag wollte sich am Dienstag allerdings kein Unternehmen festlegen. Es blieb dementsprechend bei Appellen.
"Ein Scheitern des Euro wäre ein fataler Rückschlag für Europa", hieß es in der Anzeige, die am Dienstag in mehreren großen Tageszeitungen erschien. Überschrieben war sie mit dem Motto "Der Euro ist notwendig". Die einflussreichen Manager forderten, krisengeplagte Länder wie Griechenland nicht fallenzulassen. "Die Rückkehr zu stabilen finanziellen Verhältnissen wird viele Milliarden Euro kosten, aber die Europäische Union und unsere gemeinsame Währung sind diesen Einsatz allemal wert." Die Länder, die jetzt am Tropf von EU- und IWF-Mitteln hängen, müssten ihre Unabhängigkeit zurückgewinnen. Nur so könnten sie ihren Bevölkerungen eine bessere Perspektive bieten. Voraussetzung dafür sei eine engere Koordination der Wirtschafts- und Haushaltspolitik der Euro-Mitgliedsstaaten sowie effektive Sanktionen, falls Regeln nicht eingehalten würden.
Unterschrieben war die Anzeige von etlichen Top-Managern wie Siemens-Chef Peter Löscher, BASF-Chef Kurt Bock, Deutsche-Post-Chef Frank Appel, E.ON-Chef Johannes Teyssen und Daimler-Chef Dieter Zetsche. "Der Euro ist sehr wichtig für die Entwicklung der europäischen Wirtschaft. Deshalb ist es nötig und berechtigt, für die Fortdauer des Euro zu kämpfen", sagte Zetsche bei einer Veranstaltung in New York.
Auch auf französischer Seite gaben prominente Manager ihren Namen für die Kampagne her. Vertreten waren dort unter anderem der Ölriese Total, Air France, der Industriekonzern ALSTOM und France Telecom. Alle beteiligten Firmen kommen zusammen auf 1,5 Billionen Euro Umsatz und mehr als fünf Millionen Mitarbeiter.
AUCH FINANZHÄUSER NEHMEN POLITIK IN DIE PFLICHT
Auch Finanzriesen wie die Deutsche Bank und die Allianz, die derzeit um ihre Engagements in den krisengeplagten Ländern bangen, gehörten zu den Unterstützern. Gegen einen schmerzhaften Beitrag privater Gläubiger bei der Rettung Griechenlands hatte sich die Branche zuletzt aber gewehrt - und dank Frankreichs Regierung ihre Position auch durchbekommen. Nun ist, anders als es die Bundesregierung zunächst anstrebte, nur von freiwilligen Hilfen die Rede. Das wird nach Einschätzung von Experten reine Symbolpolitik bleiben.
Die Versicherer haben zudem ihr Engagement in griechische Staatsanleihen in den vergangenen Monaten massiv zurückgefahren und sind bezogen auf alle Kapitalanlagen dort nur noch marginal vertreten. Und daran dürfte sich so schnell auch nichts ändern - jedenfalls nicht ohne politische Unterstützung. So forderte Allianz-Kapitalmarktvorstand Paul Achleitner im Magazin "Capital", die Politik sollte einen Teil des Geldes aus dem Stabilitätspakt nicht für Kredite verwenden, sondern für eine Absicherung des Ausfallsrisikos nutzen. "Bei so einem Szenario wären wir bereit, wieder in griechische Anleihen zu investieren."
Konkrete Hilfen wollte kein Unternehmen zusagen. Siemens erklärte, es gehe nicht um einzelne Maßnahmen. Der Konzern habe zum Beispiel auch keine offenen Forderungen in Griechenland, auf die verzichtet werden könnten. Der Autozulieferer Continental beschwor die Vorteile des Euro, der Firmen mehr Planbarkeit beschere und die früher lästigen Wechselkursabsicherungen innerhalb der Euro-Zone eliminiere. "Continental hat wie viele andere große, mittelständische wie auch kleine Unternehmen vom Euro und dem damit geschaffenen Binnenmarkt profitiert." Der Rivale Bosch will seine ohnehin geplanten Investitionen im Euroraum aufrechterhalten.
Marketing-Experte Markus Voeth von der Universität Hohenheim hält es für nachvollziehbar, dass die Unternehmen ihren Appell nicht mit eigenen Hilfszusagen verknüpfen. "Die beteiligten Unternehmen könnten am Ende ohnehin nur einen ganz kleinen Beitrag zur Rettung Griechenlands leisten, deshalb wären große Ankündigungen wenig glaubhaft", sagte er zu Reuters. "Ich halte den Appell der Unternehmen für legitim und sinnvoll, da sie die Zukunft des Euro in Gefahr sehen", sagte Voeth. Allerdings komme die Kampagne etwas zu spät, um die Meinung in der Bevölkerung und der Politik zu dem Thema nachhaltig zu beeinflussen.
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