Frankreich gewinnt seine Banken für Griechenland-Hilfen

Montag, 27. Juni 2011, 13:13 Uhr
 

Paris/Berlin/Rom (Reuters) - Frankreich prescht mit der Beteiligung seiner Banken an neuen Hilfen für das hoch verschuldete Griechenland vor.

Die Regierung in Paris und die Banken haben sich auf einen Vorschlag geeinigt, der privaten Gläubigern eine Laufzeitverlängerung für auslaufende griechische Staatsanleihen schmackhaft macht. Frankreich werde nun die Einzelheiten des Plans mit den EU-Partnern durchgehen und eventuelle Änderungen vornehmen, sagte Präsident Nicolas Sarkozy. Finanzministerin Christine Lagarde sprach von einem ersten Entwurf.

In deutschen Bankenkreisen hieß es, der Vorschlag könne auch ein Modell für Deutschland sein. Am Montag sei eine Telefonkonferenz der Banken und Versicherer mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble geplant. Die Gespräche zwischen Regierung und privaten Gläubigern liefen konstruktiv, sagte der Hauptgeschäftsführer des privaten Bankenverbandes BdB, Michael Kemmer, Reuters. "Ich gehe davon aus, dass jeder das Seine tun wird, um aus dieser schwierigen Situation herauszukommen." Ob die Banken wie gewünscht Anreize für eine Laufzeit-Verlängerung durchsetzen könnten, sei offen.

Schäuble will den Banken eine Beteiligung ohne zusätzliche Anreize abtrotzen. "Wir wollen so viel wie möglich vom privaten Sektor zusammen bekommmen", umriss Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen das Ziel der Gespräche. In Rom traf der Geschäftsführer des internationalen Bankenverbandes IIF, Charles Dallara, mit dem Chef des einflussreichen Wirtschafts- und Finanzausschusses der EU (WFA), dem Italiener Vittorio Grilli, zusammen, um über die Banken-Beteiligung zu sprechen. Bei dem Treffen seien alle Institutionen der Euro-Zone und auch die EU-Kommission vertreten, sagte ein Kommissionssprecher in Brüssel. Dabei würden neben dem französischen Vorschlag auch andere Möglichkeiten beraten.

KREISE: FRANZOSEN WOLLEN LAUFZEIT VON 30 JAHREN

Sarkozy sagte auf einer Pressekonferenz in Paris auf die Frage, ob es eine Vereinbarung gebe, dass griechische Schulden in neue 30-Jahres-Anleihen umgetauscht werden sollten: "Ja." Er hoffe, dass andere Länder auch so vorgingen.

Ein Bericht der Zeitung "Le Figaro" zu dem Modell komme der Realität nahe, sagte eine mit Einzelheiten vertraute Person. Demnach sieht der Plan vor, dass die Gläubiger 70 Prozent des in griechischen Anleihen steckenden Geldes bei Fälligkeit erneut zur Verfügung stellen. 50 Prozent sollten in neue Schuldtitel fließen, für die nun aber eine Laufzeit von 30 statt von fünf Jahren vorgesehen sei. Die Zinsen sollten ähnlich hoch sein wie die für die Hilfskredite der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds IWF. Zusätzlich erhielten die Investoren einen Bonus für den Fall, dass die griechische Wirtschaft stark wachse, berichtete die Zeitung. Die restlichen 20 Prozent der Rückflüsse sollten in einen speziellen Fonds mit "hochwertigen Wertpapieren" investiert werden. Die Zinsen sollen über die Laufzeit gestundet werden.

Deutsche und französische Geldhäuser gehören zu den größten Geldgebern des Euro-Landes. Mit bis zu 20 Milliarden Euro ist das Gesamtengagement deutscher Banken und Versicherer aber überschaubar. "Der französische Vorschlag wäre ein möglicher Kompromiss", sagte ein hochrangiger deutscher Bankenvertreter. Einerseits werde damit das Prinzip der Freiwilligkeit bei der Laufzeitverlängerung unterstrichen. Zudem setze der Vorschlag ökonomisch und politisch sinnvolle Anreize für die Gläubiger.

Die Banken fürchten, dass die Ratingagenturen eine Umschuldung Griechenlands als Zahlungsunfähigkeit einstufen und sie massive Wertkorrekturen vornehmen müssten. Finanzstaatssekretär Asmussen sagte in Berlin, beim Begriff der "Freiwilligkeit" gebe es immer eine Grauzone. Eine neuerliche Herabstufung der Zahlungsfähigkeit sei bei derartigen Maßnahmen fast nie zu vermeiden.   Fortsetzung...