Landesbanken zittern vor dem Stresstest

Freitag, 8. Juli 2011, 17:17 Uhr
 

Frankfurt/Brüssel (Reuters) - Den in der Branche umstrittenen Banken-Stresstest haben mindestens zwei Landesbanken Kreisen zufolge nur mit Ach und Krach bestanden.

Durchgefallen sei nach den vorliegenden Daten zwar keines der 13 teilnehmenden deutschen Institute, wie mehrere mit den Berechnungen vertraute Personen am Freitag sagten. Doch die HSH Nordbank und die NordLB überspringen den Informationen zufolge in dem Krisen-Szenario die Hürde von fünf Prozent hartem Kernkapital nur knapp. Die endgültigen Ergebnisse des Belastungstests für 91 europäische Banken sollen am nächsten Freitag (15. Juli) um 18.00 Uhr veröffentlicht werden.

Nach dem Willen der EU sollen die Institute, die nur die Probe nur mit Mühe bestehen, unter verschärfte Beobachtung der nationalen Aufseher gestellt werden. Banken, die beim Stresstest durchfallen, müssten binnen drei Monaten Gegenmaßnahmen ergriffen haben und sich bis Ende des Jahres frisches Kapital besorgen, heißt es im Entwurf einer Erklärung der EU-Mitgliedstaaten, die Reuters vorliegt. Die Frist kann sogar noch verkürzt werden. Schaffen die Institute dies nicht, sollen die Regierungen in die Bresche springen - obwohl diese eigentlich nie mehr Banken aus der Krise retten wollten. Die EU zeigt sich damit strenger als die EBA. Diese fordert von den Banken nur, bis Ende 2012 Lösungen für ihre Probleme aufzuzeigen. Alle beteiligten Banken wollten sich nicht äußern.

Für die italienischen Banken wurde derweil schon Entwarnung gegeben: Der designierte EZB-Präsident Mario Draghi sagte in Rom: "Ich bin auf Basis unserer Analyse sicher, dass Italiens Banken die Stresstests deutlich bestehen werden." Sie seien ausreichend mit Kapital ausgestattet. Dennoch gerieten die Institute des Landes an der Börse unter Druck. Die Aktie der HypoVereinsbank-Mutter UniCredit, die als einzige noch keine Kapitalerhöhung hinter sich hat, büßte mehr als fünf Prozent ein. "Der Markt lebt zurzeit in Todesangst über alles, was mit der Euro-Zone zu tun hat und alles, was den Bankensektor stärker unter Druck setzt", sagte Marc Ostwald von Monument Securities.

DAUMENSCHRAUBEN SCHON ANGEZOGEN

In Deutschland herrscht dagegen Unsicherheit vor. "Es sieht so aus, als passe die EBA die Ergebnisse an die Zahl der erwünschten Durchfaller an", sagte ein Banker, der den Test für sein Haus abwickelt. Aus EU-Kreisen war verlautet, dass bis zu 15 Banken durchfallen sollten, um dem Stresstest und der EBA die gewünschte Glaubwürdigkeit an den Finanzmärkten zu geben.

2010 hatten nur sieben von 91 Teilnehmern nicht bestanden. Selbst Institute, die wenig später vom Staat gerettet werden mussten, kamen durch. Noch am Donnerstag habe die EBA gemeldete Zahlen nach unten korrigiert, weil sie ihr zu optimistisch vorkamen, berichtete der Banker. Dabei hatte die EBA schon die Kriterien angesichts der sich zuspitzenden Staatsschuldenkrise in Griechenland im Juni verschärft und die Veröffentlichung verschoben.

Die Ergebnisse des Stresstests sollen am Dienstag von den EU-Finanzministern erörtert werden. Sie drängen darauf, dass er diesmal nicht ohne Konsequenzen bleibt. Alle Staaten wollen mit der Bekanntgabe eine abgestimmte Erklärung herausgeben. Jeder EU-Staat soll auflisten, welche Instrumente er vorhalten will: Kapitalspritzen, Garantien oder Bürgschaften zur Auslagerung fauler Wertpapiere. Im Extremfall stünde sogar die Schließung einer Bank an.

UNGERECHTFERTIGT AM PRANGER?

Der starke politische Einfluss hat bereits Kritik an dem Stresstest hervorgerufen. Auch HSH und die NordLB sehen sich ungerechtfertigt an den Pranger gestellt. Die NordLB und die Helaba hatten ihre Stillen Einlagen eigens für den Stresstest in hartes Kernkapital umgewandelt oder an die Anforderungen der Regulierer angepasst. Kreisen zufolge plant die HSH keine Kapitalerhöhung. Sie geht davon aus, dass sich ihre Kernkapitalquote durch den von der EU geforderten Abbau der Bilanzsumme deutlich erhöht. Das habe die EBA aber im Stresstest nicht berücksichtigen wollen, obwohl dort ausdrücklich auch geplante Lösungsschritte aufgeführt werden, kritisieren Insider.

 
<p>A city worker passes a street sign in the Canary Wharf financial district, in east London March 7, 2011. REUTERS/Toby Melville</p>