UBS plant nach Gewinneinbruch Stellenabbau

Dienstag, 26. Juli 2011, 10:24 Uhr
 

Zürich (Reuters) - Die Schweizer Großbank UBS plant nach einem Gewinneinbruch im zweiten Quartal ein milliardenschweres Sparprogramm.

"Die Maßnahmen gehen über alle Bereiche und werden unglücklicherweise auch den Abbau von Stellen einschließen", erklärte Finanzchef Tom Naratil am Dienstag. Die Sparanstrengungen sollen in den nächsten zwei bis drei Jahren 1,5 bis zwei Milliarden Franken bringen. UBS-Chef Oswald Grübel betonte, es sei mit bedeutenden Restrukturierungskosten im Laufe des Jahres zu rechnen. Einzelheiten würden im November bekanntgegeben, wenn die Bank ihren Investorentag abhalten wird.

Die größte Schweizer Bank musste infolge der Euro-Schuldenkrise im zweiten Quartal einen Rückgang des Reingewinns um 49 Prozent auf 1,01 Milliarden Franken (870 Millionen Euro) gegenüber dem Vorjahreszeitraum verkraften. Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit einem Rückgang um 36 Prozent auf 1,23 Milliarden Franken gerechnet. Die Deutsche Bank konnte dagegen ihren Nettogewinn im zweiten Quartal um sechs Prozent auf 1,2 Milliarden Euro erhöhen. An der Schweizer Börse gaben die UBS-Papiere zu Handelsbeginn mehr als zwei Prozent nach.

Die auf dem Investorentag 2009 gesetzten Mittelfristziele kassierte Grübel. Damals schrieb der ein gutes halbes Jahr amtierende Konzernchef der Bank einen Vorsteuergewinn von 15 Milliarden und eine Eigenkapitalrendite von 15 bis 20 Prozent auf die Fahne. Die Ziele, zu denen das Investmentbanking einen wesentlichen Beitrag liefern sollte, sollten in drei bis fünf Jahren erreicht werden.

Die Euro-Schuldenkrise aber auch schärfere Kapitalanforderungen machen Grübel und seinem Investmentbank-Chef und möglichen Nachfolger Carsten Kengeter nun einen Strich durch die Rechnung. Und die Aussichten bleiben nach Einschätzung der Bank düster. Wenig deute darauf hin, dass die wirtschaftliche Unsicherheit abnehmen werde. Im dritten Quartal sei keine nennenswerte Verbesserung des Marktumfeldes zu erwarten. Und das werde sich auf die Ergebnisse auswirken, erklärte Grübel.

GEWINN IM INVESTMENTBANKING BRICHT EIN

Besonders stark schlug die Schuldenkrise beim Investmentbanking durch, wo die Risikoscheu der Großanleger auf die Umsätze im Handels- und Emissionsgeschäft drückten. Die Einnahmen gingen deutlich zurück und der Gewinn der Sparte brach auf 376 Millionen Franken ein von 1,31 Milliarden Franken ein Jahr zuvor.

Im zweiten Standbein Vermögensverwaltung wirkte sich die Krise weniger stark aus, obwohl da der auf Rekordhöhen notierende Schweizer Franken seinen Tribut forderte. Der Gewinn im Bereich Wealth Management stieg gegenüber dem Vorquartal um vier Prozent auf 672 Millionen Franken und lag auch leicht höher als vor Jahresfrist.

Reiche Kunden, die nach der Finanzkrise und wegen der Steuerhinterziehungs-Ermittlungen der USA scharenweise das Weite gesucht hatten, kamen zur Bank zurück. Im Wealth Management flossen der UBS neu 5,6 Milliarden Franken zu nach 11,1 Milliarden Franken im Auftaktquartal dieses Jahres. Das neue Geld, das zur Bank kam, stammte hauptsächlich aus der Region Asien/Pazifik und aus Schwellenländern sowie von superreichen Kunden aus der ganzen Welt. Die laufenden Diskussionen über das Bankgeheimnis und die Besteuerung von Schwarzgeldern führte zu einem Abzug von Geldern aus dem benachbarten Ausland. Analysten hatten mit einem Neugeldzufluss von 7,5 Milliarden Franken gerechnet. Das Netto-Neugeld im gesamten Konzern belief sich auf 8,7 Milliarden Franken gegenüber 22,3 Milliarden Franken im Auftaktquartal dieses Jahres. Insgesamt verwaltete die UBS für private und institutionelle Kunden wie Pensionsfonds rund 2100 Milliarden Franken.

Beim Lokalrivalen Credit Suisse erwarten Analysten am Donnerstag einen Gewinnrückgang um 36 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

 
<p>A traffic sign stands in front of the logo of Swiss bank UBS at the Bahnhofstrasse in Zurich February 24 , 2009. REUTERS/Arnd Wiegmann</p>