Rebellen feiern - aber Kämpfe in Tripolis halten an

Montag, 22. August 2011, 10:20 Uhr
 

Tripolis (Reuters) - Sechs Monate nach Beginn des Bürgerkriegs in Libyen feiern die Rebellen ihren Sieg über Machthaber Muammar Gaddafi.

Doch auch nach dem rasanten Vormarsch der Aufständischen am Wochenende gaben sich Gaddafis Kräfte in Tripolis noch nicht geschlagen: Am Montag nahmen Panzer der Regierungstruppen den Rebellen zufolge Ziele in der Innenstadt unter Beschuss. Gaddafis Aufenthaltsort war ungewiss. Im staatlichen Fernsehen forderte der Machthaber in einer Audio-Botschaft die Bevölkerung auf, die Rebellen zurückzuschlagen. Diese meldeten die fast vollständige Einnahme der Hauptstadt und hielten zwei Söhne Gaddafis gefangen. Die EU verlangte von Gaddafi den sofortigen Rücktritt.

Die Rebellen lieferten sich nach eigenen Angaben heftige Feuergefechte mit Gaddafis Truppen. Auch von Kleinlastern schossen die Truppen des Machthabers demnach mit Maschinengewehren auf Ziele in Tripolis. Zuvor hatten die Rebellen schon ihren Triumph auf dem Grünen Platz im Zentrum der Hauptstadt gefeiert. Sie schwenkten Fahnen, zahlreiche Libyer trugen ihre Freude über ein Ende der Gaddafi-Herrschaft auf die Straßen. Doch die Rebellen räumten ein, dass Gaddafis Soldaten noch bis zu einem Fünftel der Stadt unter ihrer Kontrolle hielten.

Die Aufständischen teilten mit, Gaddafis ältester Sohn Mohammed habe sich gestellt. Zudem sei Gaddafis Sohn Saif al-Islam festgenommen worden. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag bestätigte die Festnahme von Saif al-Islam. Er solle überstellt werden. Saif werden wie seinem Vater Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.

Die EU erklärte, nach dem raschen Vormarsch der Rebellen müsse Gaddafi ohne weitere Verzögerung zurücktreten "Wir scheinen Zeuge der letzten Stunden des Gaddafi-Regimes zu werden", sagte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Caroline Ashton am Montag. Er müsse unverzüglich zurücktreten, es gelte weiteres Blutvergießen zu verhindern. Innerhalb der EU liefen bereits die Planungen für eine Zeit nach Gaddafi. Die Rebellen forderte die EU zu verantwortungsvollem Handeln und dem Schutz der Zivilisten auf.

Auch US-Präsident Barack Obama drängte Gaddafi zur Aufgabe. "Der sicherste Weg, weiteres Blutvergießen zu verhindern, ist einfach: Muammar Gaddafi und sein Regime müssen einsehen, dass ihre Herrschaft vorbei ist", erklärte Obama am Sonntag. Gaddafi habe keine Kontrolle mehr über Libyen. "Er muss die Macht abgeben, jetzt und für immer." Die Nato, die die Rebellen auf ihrem Vormarsch mit Luftangriffen unterstützt, forderte eine friedliche Machtübergabe.

 
<p>Libyer feiern am 22. August 2011 in Benghasi den Einzug der Rebellen in Tripolis. REUTERS/Esam Al-Fetori</p>