Solaranlagen-Bau zieht an - Förderung wird gestutzt

Mittwoch, 7. September 2011, 19:22 Uhr
 

Berlin, 07.Sep (Reuters) - Nach monatelanger Flaute sind in Deutschland im Sommer wieder deutlich mehr Solaranlagen auf Dächer und Felder gebaut worden.

Allein im Juni und Juli wurde nach Angaben aus Branchen- und Regierungskreisen vom Mittwoch mehr Solarleistung installiert als in den gesamten übrigen Monaten des Jahres 2011. Damit sei klar, dass die Solarförderung zur Jahreswende stärker gekürzt werde als die regulären 9 Prozent, sagten Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Als wahrscheinlich gilt nun eine Kappung um 15 Prozent.

ÜBER 4000 MEGAWATT IN ZEHN MONATEN INSTALLIERT

Den Angaben zufolge wurden allein im Juni rund 800 Megawatt Solarleistung installiert, fast die Leistung eines AKW-Blocks. Im Juli seien es rund 450 Megawatt gewesen. Im Juni wurden offenkundig viele Anlagen installiert, weil mit einer Kürzung im Juli gerechnet wurde. Diese fiel aber aus, weil im Frühjahr deutlich weniger gebaut wurde als erwartet.

Die Solarförderung und deren Kürzung richtet sich laut Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) nach dem Zubau an Anlagen: Wird viel gebaut, wird auch stark gekürzt. Bei wenigen neuen Solarmodulen bleibt es bei einer einmaligen Kürzung von 9 Prozent zum Jahreswechsel, die die sinkenden Preise für Solarmodule im Zuge des technischen Fortschritts widerspiegeln soll.

Die Kürzung zum Januar wird nun aber höher ausfallen. Sie richtet sich nach dem Bau zwischen Oktober 2010 und September 2011. Da bereits bis Juli 2011 über 4000 Megawatt installiert wurden, wird in der Regierung bis Ende September mit gut 5000 Megawatt gerechnet: Das bedeutet nach den EEG-Regelungen, dass die Kürzung auf 15 Prozent erhöht wird.

FORDERUNGEN NACH DECKEL FÜR SOLARZUBAU

Solarstrom wird durch staatlich garantierte Abnahmepreise für 20 Jahre gefördert. Die Differenz zwischen dem Marktpreis für Strom und den höheren, garantierten Abnahmepreisen wird durch eine Umlage auf alle Verbraucher bezahlt.

Die Solarförderung macht etwa die Hälfte der Hilfen für die Erneuerbaren Energien aus, obwohl Sonnenstrom vergleichsweise wenig zur Stromerzeugung beiträgt. Deshalb kommen vom Wirtschaftsflügel von Union und FDP immer wieder Forderungen, die Förderung stärker zu kürzen und den Bau insgesamt auf eine bestimmte Menge pro Jahr zu begrenzen.

Einen Deckel für Solarstrom gibt es bereits in vielen Ländern Europas. Das wiederum führt dazu, dass Überproduktionen von Solaranlagen etwa aus China oder den USA vor allem auf den deutschen Markt geworfen werden und so für weiteren Preisdruck sorgen. Die Solarbranche in Deutschland, besonders Unternehmen mit geringerem Exportanteil, steht daher seit einiger Zeit unter Druck. Deutschland gilt neben China als weltweit der wichtigste Markt für die Solarindustrie.

 
<p>Workers check solar panels at a solar power field in Kawasaki, near Tokyo July 6, 2011. REUTERS/Toru Hanai (JAPAN - Tags: BUSINESS ENERGY ENVIRONMENT)</p>