Industrie plant drei Stromautobahnen quer durch Deutschland

Freitag, 23. September 2011, 08:58 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Industrie will nach der Energiewende in Deutschland Milliarden in den Bau neuer Stromtrassen investieren.

Die Netzbetreiber Tennet, 50 Herz, Amprion und die Transportsparte von EnBW planen drei Stromautobahnen quer durch Deutschland, wie die "Fincancial Times Deutschland" am Freitag unter Berufung auf Sprecher der Unternehmen berichtete. Mit den neuen Stromautobahnen soll sichergestellt werden, dass der größtenteils in Nord- und Ostdeutschland produzierte Ökostrom in den Süden und Westen transportiert werden kann. Die Bundesregierung hat nach dem beschlossenen Atom-Ausstieg den Bau von Stromautobahnen gefordert.

Die ehemalige Vattenfall-Tochter 50 Herz will rund eine Milliarde Euro für eine 600 Kilometer lange Leitung aus dem Raum Magdeburg ins Rhein-Main-Gebiet investieren. Eine erste Genehmigung bei der Bundesnetzagentur habe 50 Herz bereits beantragt, bis alle Genehmigungen vorlägen und die Leitung gebaut werden könne, dauere es allerdings noch gut acht Jahre, sagte ein Firmensprecher der Zeitung.

Die Ex-E.ON-Tochter Tennet plant den Angaben zufolge eine 900 Kilometer lange Trasse von Nord- nach Süddeutschland, die mehrere Milliarden Euro kosten soll. Im Frühjahr 2012 würden genauere Pläne veröffentlicht, sagt eine Sprecherin dem Blatt. Die frühere RWE-Tochter Amprion und EnBW wollen eine Leitung aus dem Rheinland in den Raum Stuttgart verlegen. Die Technik und die genaue Trassenführung seien jedoch noch offen, erklärte ein Amprion-Sprecher.

Laut "FTD" soll bei den Trassen die sogenannte Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ) genutzt werden, mit der große Strommengen unter sehr geringen Spannungsverlusten über weite Strecken befördert werden können. Die neuen Leitungen sollten teilweise auf bestehenden Masten montiert werden, um Kosten sparen und keine Bürgerproteste gegen Neubauten hervorzurufen.