Schwere Kämpfe in Gaddafis Heimatstadt Sirte

Mittwoch, 28. September 2011, 08:09 Uhr
 

Sirte (Reuters) - Beim möglicherweise entscheidenden Vorstoß auf Sirte treffen die Truppen der libyschen Übergangsregierung NTC auf erbitterten Widerstand der Anhänger des gestürzten Machthabers Muammar Gaddafi.

Als stünden sie in ihrem letzten Gefecht deckten sie die NTC-Kämpfer am Dienstag mit Artillerie und Raketen ein. Auch Scharfschützen nahmen die Angreifer ins Visier. Die waren zwar in den Ostteil von Gaddafis Heimatort eingedrungen, doch an einem Kreisverkehr kam ihr Vormarsch im schweren Feuer des Gegners zum Erliegen.

"Wir brauchen Hilfe, wir brauchen Hilfe", schrie ein NTC-Helfer in panischer Angst. Weiter vorne lägen schwer verletzte Kameraden, die geborgen werden müssten. Doch angesichts des heftigen Beschusses traute sich niemand zu den Verwundeten. Zwar waren die Regierungstruppen mit zwei Panzern vorgerückt, doch auch die gerieten schnell unter Artilleriebeschuss. Und wegen der Scharfschützen mussten die Angreifer hinter Schiffscontainern in Deckung gehen. "Wo kommen die her", rätselte ein Kämpfer angesichts des gegnerischen Feuers.

Dabei ist die Gaddafi-Hochburg umzingelt: Im Süden, Osten und Westen der Stadt stehen die Regierungstruppen. Und im Norden ist das Mittelmeer, wo Schiffe der Nato auf Lauer liegen.

In einem anderem Teil Sirtes schweigen derweil die Waffen. Dort sind Anhänger Gaddafis nach Angaben eines Kommandeurs des Übergangsrates möglicherweise bereit, ihre Waffen niederzulegen. Man befinde sich in Gesprächen über eine Waffenruhe, sagte der Brigaden-Kommandant des Übergangsrates, Tuhami Sajani, der Nachrichtenagentur Reuters. Die Verhandlungen gingen auf eine Initiative von Ältesten des Gaddafi-Stammes zurück, sagte Sajani. Die Gaddafi-Anhänger forderten freien Abzug für Angehörige des Stammes sowie der bewaffneten Milizen aus Sirte. Sirte ist neben Bani Walid die letzte verbliebene Bastion Gaddafis.

Den Zivilisten sei bereits die Erlaubnis erteilt worden, die belagerte Stadt zu verlassen, sagte Sajani. Derzeit liefen Verhandlungen über die Bedingungen für eine Aufgabe der Milizen.

Die seit Wochen anhaltenden Kämpfe um Sirte bringen die Zivilbevölkerung in immer größere Bedrängnis. "Wir sind sehr beunruhigt über die Lage der Menschen in Sirte und Bani Walid", sagte ein Sprecher des Roten Kreuzes. Das Rote Kreuz und andere Organisationen verlangen freien Zugang zu den umkämpften Städten, um die Zivilisten zu versorgen. Kämpfer des Übergangsrats haben den Gaddafi-Truppen vorgeworfen, die Bevölkerung als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen und am Verlassen der umkämpften Gebiete zu hindern.

 
<p>An anti-Gaddafi fighter takes position behind his anti-aircraft gun, 2 km (1.2 miles) east of Sirte September 27, 2011. REUTERS/Esam Al-Fetori (LIBYA - Tags: CIVIL UNREST CONFLICT)</p>