China wächst das dritte Quartal in Folge langsamer

Dienstag, 18. Oktober 2011, 08:37 Uhr
 

Peking (Reuters) - Chinas Wirtschaft ist im dritten Quartal so langsam gewachsen wie seit über zwei Jahren nicht mehr.

Das Bruttoinlandsprodukt legte um 9,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu. Eine nachlassende Nachfrage aus dem Ausland bremste den Exportweltmeister ebenso wie höhere Zinsen, teilte das Statistikamt am Dienstag in Peking mit. Die Konjunktur kühlte sich damit bereits das dritte Quartal in Folge ab. Eine schwächeres Wachstum hatte es zuletzt im Frühjahr 2009 mit 8,1 Prozent gegeben, als die weltweite Finanzkrise auf das Boomland durchschlug. Im Frühjahr waren es noch 9,5 Prozent.

Die Regierung versuchte, Sorgen vor einem Abschwung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zu zerstreuen. "Auch wenn sich das Wachstum etwas verlangsamt hat, so ist es doch stabil", sagte der Sprecher der Statistikbehörde, Sheng Laiyun. "Es ist wahrscheinlich, dass China auch in der nächsten Zeit sein recht schnelles Wirtschaftswachstum bewahren kann."

"GEFAHR EINER DEUTLICHEN ABKÜHLUNG"

Experten schließen eine harte Landung dagegen nicht aus, weil die Volksrepublik nicht immun ist gegen die Schuldenkrise in Europa. Im September legten die Ausfuhren nach Europa nur noch halb so stark zu wie im August. "Die Gefahr einer deutlichen Abkühlung besteht weiterhin", sagte der Chefvolkswirt von Peking First Advisory, Dong Xian'An. Für das Jahresende erwartet er nur noch ein Plus von 8,6 Prozent. Zu schaffen macht der Volksrepublik auch die hohe Inflation, die die Kaufkraft belastet und die Notenbank zu mehreren Zinserhöhungen zwang. Das verteuert Kredite für Konsum und Investitionen.

Dennoch gehörten die Ausgaben der Unternehmen zu den Wachstumstreibern. Ihre Investitionen legten von Januar bis September um 24,9 Prozent zu. Anleger schreckten trotzdem vor weiteren Engagements zurück und nahmen Gewinne mit. Hongkongs Leitindex gab um mehr als drei Prozent nach. Vor allem die Papiere von Rohstoffkonzernen gehörten zu den Verlierern. Anleger sorgen sich, dass sich die Nachfrage abschwächen könnte.

KEINE ZINSSENKUNG ERWARTET

Experten erwarten trotz der enttäuschenden Wachstumszahlen nicht mit einer Änderung der Geldpolitik. Dafür sprach sich auch das Statistikbüro aus. Im Kampf gegen die Inflation hatte China zuletzt die Leitzinsen und Mindestreserveanforderungen für Finanzinstitute in regelmäßigen Abständen angezogen. Die Teuerung lag im September auf Jahressicht bei 6,1 Prozent. Die Regierung in Peking peilt offiziell rund vier Prozent an.

 
<p>A migrant worker pulls a handcart to transport bricks at a brick making factory in Haining, Zhejiang province August 10, 2011. REUTERS/Stringer</p>