Neue Verluste in HRE-Bad-Bank - Bund vor weiteren Hilfen

Dienstag, 18. Oktober 2011, 19:38 Uhr
 

München (Reuters) - Die Altlasten der verstaatlichten Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) machen aller Voraussicht nach schon bald neue Hilfen des Steuerzahlers erforderlich.

Deutschlands größte Bad Bank FMS Wertmanagement, in der die Milliardenrisiken der HRE gebündelt sind, verbuchte im ersten Halbjahr 2011 einen Nettoverlust von 690 Millionen Euro. Ein Grund waren Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen, wie die FMS am Dienstag mitteilte.

Ursprünglich sollte der Abbau des einst 175 Milliarden Euro großen Portfolios toxischer Wertpapiere und Kredite binnen zehn Jahren oder mehr zu Verlusten von 3,8 Milliarden Euro führen. Nun aber ist dieses Budget bereits ein Jahr nach dem Start der Bad Bank so gut wie aufgebraucht. Im Rumpfgeschäftsjahr 2010 gab es einen Verlust von gut drei Milliarden Euro, nun kommen die 690 Millionen hinzu. Ein Ende ist angesichts der Verwerfungen an den Kapitalmärkten nicht in Sicht.

Bei weiterhin roten Zahlen stehe der staatliche Bankenrettungsfonds SoFFin in der Pflicht und müsse Kapital nachschießen, erklärte ein FMS-Sprecher dementsprechend. Ein mit den Plänen des Bundesfinanzministeriums Vertrauter sagte, neue Kapitalspritzen für die FMS seien praktisch eingetütet. Es gehe zunächst aber um eine "äußerst überschaubare" Summe.

Auch von der HRE erwartet die Abwicklungsanstalt noch Geld. Nachdem von dem früheren Dax-Konzern bereits rund 800 Millionen Euro geflossen sind, soll noch einmal ein ähnlich hoher Betrag überwiesen werden. Die HRE, die nach Liquiditätsengpässen in der Finanzkrise zeitweise mit 150 Milliarden Euro gestützt werden musste, trägt damit staatlichen Auflagen Rechnung. Das Geld ist ein Ausgleich für die Wettbewerbsverzerrung durch die Auslagerung der gefährlichen Wertpapiere, die der HRE nun einen Neuanfang ermöglicht.

HELLAS-BONDS NICHT AUF MARKTWERTE ABGESCHRIEBEN

Die FMS darf als Abwicklungsanstalt öffentlichen Rechts den deutschen Bilanzstandard HGB anwenden. Dadurch sind die Abschreibungen auf Wertpapierverluste im Vergleich mit börsennotierten Großbanken, die den strengeren internationalen Standard IFRS verwenden, gering. Die Wertberichtigungen auf Griechenland-Bonds schlugen dennoch mit 808 Millionen Euro zu Buche.

Dabei wurden alle Anleihen und Kredite mit einer Laufzeit bis Ende 2020 um 21 Prozent korrigiert - den Mindestbetrag, den die Wirtschaftsprüfer fordern - und nicht auf den Marktwert. Sonst wären Abschreibungen um 50 Prozent und mehr nötig gewesen. "Für länger laufende Griechenland-Papiere wurden zur Berücksichtigung des latenten Ausfallsrisikos Pauschalwertberichtigungen gebildet", erklärte das Institut. Die FMS hat nun noch Hellas-Bonds im Volumen von 7,2 Milliarden Euro in den Büchern. Hinzu kommen 1,6 Milliarden Euro durch Kredite und Anleihen griechischer Emittenten.

Mitte des Jahres summierte sich das Portfolio der FMS noch auf 160,5 Milliarden Euro. Bis 2020 sollen zwei Drittel abgebaut sein.