Desertec will ab 2012 riesiges Solarkraftwerk in Marokko bauen

Samstag, 29. Oktober 2011, 14:11 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Das Wüstenstrom-Projekt Desertec will schon in wenigen Jahren in einem riesigen Solarkraftwerk in Marokko Strom für Europa produzieren.

"Der Bau soll 2012 beginnen", sagte Projektleiter Ernst Rauch von der Münchener Rück der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe). Die Anlagen sollen demnach auf einer zwölf Quadratkilometer großen Fläche aufgestellt werden und eine Kapazität von 500 Megawatt haben - etwa die Hälfte eines modernen Atomkraftwerks. Das Vorhaben solle bis zu zwei Milliarden Euro kosten. Die Kosten für die erste Baustufe, ein Kraftwerk mit einer Leistung von 150 Megawatt, veranschlagt Desertec den Angaben zufolge mit bis zu 600 Millionen Euro.

Projektleiter Rauch geht nach eigenen Worten davon aus, dass der Bau zwei bis vier Jahre dauern wird. "Je nach Technik kann 2014, spätestens 2016, der erste Strom fließen." Die Energie solle in der Region verwendet, aber auch nach Europa exportiert werden. "Alle Einzelheiten - Standort, Technologie und Finanzierung - sollten Anfang 2012 stehen", sagte Rauch. Die Wüstenstrominitiative kommt damit schneller voran als bei ihrem Start vor zwei Jahren gedacht. Im Oktober 2009 erklärten die Gründer der Planungsgesellschaft DII noch, frühestens 2015 mit dem Bau des ersten Kraftwerks zu beginnen.

Doch nun wollen die Gründungsmitglieder - unter anderem die Deutsche Bank, Siemens, der Versicherer Münchener Rück und die Energiekonzerne E.ON und RWE - einen Gang hochschalten. In Deutschland ist der Strom aus der Wüste nach dem beschlossenen Atomausstieg gefragter den je. Und auch Marokko hat mangels fossiler Ressourcen ein starkes Interesse an der Förderung der Solarenergie, um seine Abhängigkeit von Stromimporten zu reduzieren. Das Land galt schon länger als Favorit für den Bau des ersten Desertec-Kraftwerks, da zwischen Marokko und Spanien bereits eine moderne Stromverbindung existiert. Bereits im Juni wurde deshalb eine Absichtserklärung mit der für Solarenergie zuständigen marokkanischen Staatsagentur Masen unterzeichnet.

DEUTSCHLAND WILL FÜHRUNGSROLLE ÜBERNAHMEN

Den Desertec-Plänen zufolge soll Europa künftig einen Teil seines Stroms emissionsfrei in den Wüsten Nordafrikas gewinnen. Angestrebt wird, dort rund 15 Prozent des eigenen Bedarfs sowie einen erheblichen Teil des Verbrauchs in den Erzeugerländern zu produzieren. Die Initiative hat bis 2050 ein geschätztes Investitionsvolumen von 400 Milliarden Euro.

Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge ist die Planungsgesellschaft DII bereit, 30 Prozent der Investitionen zu übernehmen. Derzeit liefen Gespräche mit dem Umwelt- und Wirtschaftsministerium über eine Beteiligung des Bundes. Die Signale seien positiv. "Deutschland ist bereit, beim Desertec-Start eine Führungsrolle zu übernehmen", sagte Manager Rauch. Auch Spanien, Italien, Frankreich und die EU seien in die Gespräche eingebunden.