Produktion mit stärkstem Einbruch seit Anfang 2009

Montag, 7. November 2011, 16:14 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die deutschen Unternehmen treten kräftig auf die Bremse: Im September drosselten sie ihre Produktion so stark wie seit über zweieinhalb Jahren nicht mehr.

Trotz des unerwarteten Einbruchs reichte es im gesamten dritten Quartal aber noch zu einem robusten Wachstum. Allerdings deuten die nachlassenden Bestellungen und dünner werdende Auftragspolster darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft die besten Zeiten hinter sich hat.

Industrie, Bau- und Energiewirtschaft produzierten 2,7 Prozent weniger als im Vormonat, teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Montag in Berlin mit. Einen stärkeren Rückgang gab es zuletzt im Januar 2009, als die weltweite Finanzkrise die Erzeugung um 6,8 Prozent einbrechen ließ. Der Rückgang fiel damit mehr als fünfmal so stark aus wie von Analysten vorhergesagt. "Diese Abschwächung ist allerdings durch die späte Lage der Sommerferien in diesem Jahr und die damit einhergehenden Produktionseinbußen überzeichnet", schrieb das Ministerium.

Trotz des Rückschlags zog die Produktion im dritten Quartal um kräftige 1,7 Prozent an. Die Industrie blieb damit eine wichtige Konjunkturstütze. Von Reuters befragte Analysten sagen für Juli bis September einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 0,5 Prozent voraus. Im zweiten Quartal hatte es nur ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent gegeben. Eine erste Schätzung veröffentlicht das Statistische Bundesamt am 15. November.

"KEIN CRASH IN SICHT"

"Es besteht kein Grund zur Panik - trotz des starken Rückgangs", sagte UniCredit-Experte Andreas Rees. "Die Industrie spürt die Schwäche der Weltwirtschaft, aber sie steht nicht vor einem Crash." Etwa die Hälfte des Einbruchs sei durch Sondereffekte in der Automobilindustrie zu erklären, die im August wegen der starken Nachfrage Sonderschichten geschoben und auf die üblichen Werksferien verzichtet habe. Das habe die Fahrzeugproduktion im September zweistellig schrumpfen lassen. "Eine Abschwächung der Konjunktur hat wohl noch nicht die tragende Rolle gespielt", sagte auch DekaBank-Experte Andreas Scheuerle, der auf Verzerrungen durch die späten Ferientermine in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen hinwies.

Allerdings spürt die Industrie immer stärker die Folgen der Schuldenkrise in Europa. Wegen der schwachen Nachfrage aus den Euro-Ländern brachen ihre Aufträge im September mit 4,3 Prozent nicht nur den dritten Monat in Folge ein, sondern zugleich so stark wie seit knapp drei Jahren nicht mehr. Die Bestellungen aus den Euro-Ländern gingen dabei mit 12,1 Prozent besonders stark zurück. Etwa 40 Prozent der deutschen Ausfuhren landen in der Währungsunion. Das Ministerium rechnet deshalb "für die kommenden Monate mit einer ruhigen Entwicklung der Produktion".

DÜNNERE POLSTER, GERINGERE AUSLASTUNG

Auch die Auftragspolster werden dünner. Die Unternehmen bezifferten sie im September in einer Ifo-Umfrage auf 2,9 Produktionsmonate. Im Juli waren es noch 3,2. Maschinen und Anlagen wurden nur noch zu 84,8 Prozent ausgelastet, nach mehr als 86 Prozent im Sommer. "Die Rezession im Euroraum geht nicht spurlos an Deutschland vorüber", sagte Commerzbank-Ökonomin Ulrike Rondorf. "Die deutsche Wirtschaft hat ihre besten Zeiten hinter sich." Im Schlussquartal 2011 drohe eine Stagnation.   Fortsetzung...

 
<p>Josef Kronschnabel, 55 years old, works on BMW's new axle gearing production line in Dingolfing, southern Germany February 16, 2011. REUTERS/Michaela Rehle (GERMANY - Tags: TRANSPORT POLITICS SCI TECH BUSINESS)</p>