US-Einzelhandel verspürt Rückenwind - Wal-Mart legt zu

Dienstag, 15. November 2011, 18:02 Uhr
 

Washington (Reuters) - Trotz der hohen Arbeitslosigkeit und mauen Konjunktur in den USA hellt sich die Lage für die Einzelhändler auf.

Sie nahmen im Oktober 0,5 Prozent mehr ein als im Vormonat, wie das Handelsministerium in Washington am Dienstag mitteilte. Die positiven Daten ließen selbst Experten aufhorchen, da sie lediglich mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet hatten. Die Kassen klingelten besonders im Lebensmittel- und Elektronikhandel sowie in Baumärkten. Auch Einzelhandels-Branchenprimus Wal-Mart ist nach langer Durststrecke pünktlich zum Weihnachtsgeschäft wieder auf Wachstumskurs - enttäuschte jedoch bei der Gewinnentwicklung.

US-Experte Bernd Weidensteiner wertet die Daten als jüngsten Beleg dafür, dass sich die US-Wirtschaft bislang noch von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten in der Euro-Zone abkoppeln konnte. Im September hatte der Einzelhandel sogar ein Wachstumsplus von 1,1 Prozent eingefahren. Ökonom Heinrich Bayer von der Postbank sieht nach den ermutigenden Daten vom Oktober sogar gute Perspektiven für den privaten Konsum, der zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung ausmacht: "Sollten die Verbraucher auch nur ein wenig von dem Schwung in den November und den Dezember mitnehmen, braucht sich die US-Wirtschaft um das Weihnachtsgeschäft keine Sorgen zu machen."

Auch Wal-Mart ist guter Dinge: Der Weltmarktführer im Einzelhandel konnte erstmals seit neun Quartalen wieder ein Umsatzplus verbuchen. Von August bis Oktober steigerte er die Einnahmen im wichtigen US-Geschäft um 1,3 Prozent. Das war deutlich mehr als von Experten mit 0,3 Prozent erwartet. Auch Wal-Mart selbst hatte die Latte niedriger gehängt. "Jeder Geschäftsbereich steht heute besser da als vor einem Jahr", sagte Firmenchef Mike Duke. Der wieder sprudelnde Umsatz lasse das Unternehmen für das wichtige Weihnachtsgeschäft gut dastehen. Allerdings seien die Kunden wegen der trüben Lage am Arbeitsmarkt besorgt, schränkte Duke ein.

Der Nettoumsatz kletterte insgesamt um 8,2 Prozent auf 109,5 Milliarden Dollar. Der Wermutstropfen dabei: Der Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft sank auf 3,34 Milliarden Dollar von 3,44 Milliarden Dollar im Vorjahr. Die Investoren reagierten verschnupft: Wal-Mart-Papiere gaben am Nachmittag um 2,3 Prozent nach.

Bei der US-Baumarktkette Home Depot lief es zuletzt noch besser: Die Erlöse kletterten im dritten Quartal weltweit um 4,2 Prozent, in den USA um 3,8 Prozent, wie das Unternehmen mitteilte. Die Zuwächse verdankt der Marktführer bei Renovierungszubehör aber vor allem der schwächeren Entwicklung des Rivalen Lowe's, dem Home Depot noch mehr Marktanteile abjagte.

 
<p>A shopper walks down an aisle in a newly opened Walmart Neighborhood Market in Chicago September 21, 2011. REUTERS/Jim Young</p>