Lösung im Ferrostaal-Streit ebnet Weg für Lkw-Allianz

Montag, 28. November 2011, 17:32 Uhr
 

München (Reuters) - Überraschende Lösung im Dauerstreit um Ferrostaal: Die beiden Eigentümer, MAN und der arabische Staatsfonds IPIC, einigten sich am Montag darauf, dass der Lkw-Bauer die an IPIC verkauften 70 Prozent der Anteile zurücknimmt.

Unmittelbar danach wollen die Münchner den Essener Industriedienstleister komplett an das Hamburger Handelshaus MPC abgeben. MAN nimmt zwar bei dem Deal deutlich weniger Geld ein als ursprünglich geplant, dafür geht aber nach fast drei Jahren ein erbitterter Streit zu Ende. Außerdem ist ein lästiger Stolperstein für die Lkw-Allianz der Volkswagen-Töchter MAN und Scania aus dem Weg geräumt.

Das Gezerre um Ferrostaal galt mit seinen zeitraubenden Auseinandersetzungen und schwer kalkulierbaren Unsicherheiten lange als Hürde für den von VW forcierten Zusammenschluss von MAN und Scania, mit dem VW-Patriarch Ferdinand Piech seinen Konzern an die Marktspitze bei schweren Lastern in Europa katapultieren will. Die Allianz ist ein weiteres Puzzleteil in Piechs Plan, den weltgrößten Autobauer zu schaffen, der von sparsamen Kleinwagen über schnelle Sportwagen bis hin zu großen Lkw alles im Angebot hat.

Ungeachtet des schwelenden Streits zwischen München und Abu Dhabi sicherte sich VW bereits die Mehrheit an MAN; knapp 56 Prozent der Anteile hält Europas größter Autobauer an dem Lkw-Hersteller. Die Gespräche über eine engere Zusammenarbeit bei Lastwagen liefen bereits seit 9. November, hieß es am Montag bei VW. Damals waren die MAN-Aktien auf Volkswagen übergegangen. Der Ferrostaal-Deal habe keinen unmittelbaren Zusammenhang mit der Integration in den VW-Konzern, sagte ein MAN-Sprecher. Der Konzern habe ein starkes eigenes Interesse gehabt, die Sache endlich zu Ende zu bringen. VW sei natürlich als Großaktionär über die Entwicklungen informiert gewesen.

Die Lösung des Streits beflügelte am Montag den Kurs: Die MAN-Aktien lagen mit mehr als fünf Prozent im Plus. DZ-Bank-Analyst Michael Punzet wertete die Einigung positiv, auch wenn sie die MAN-Bilanz belaste. Da der Unsicherheitsfaktor aus dem Weg geräumt sei, stehe die Tür offen für eine Integration von MAN in den VW-Konzern.

MAN bezahlt für den Rückkauf der Ferrostaal-Anteile 350 Millionen Euro an IPIC - das sind 100 Millionen weniger, als die Münchner Anfang 2009 beim Verkauf eingenommen hatten. Damit seien sämtliche Ansprüche zwischen MAN und IPIC abgegolten. Das Hamburger Handelshaus MPC übernimmt Ferrostaal dann für eine Summe von bis zu 160 Millionen Euro. Die exakte Höhe sei abhängig von einigen Projekten, sagte ein MAN-Sprecher. Der Industriedienstleister hatte durch einen 2009 aufgeflogenen Schmiergeldskandal, der auch den Streit der Eigentümer auslöste, einen beträchtlichen Imageschaden erlitten, unter dem die Geschäfte litten. Für 2011 werden rote Zahlen erwartet. Der MPC-Miteigentümer Axel Schroeder sagte Reuters: "Wir sind optimistisch, dass wir 2012 den Turnaround schaffen." MPC wolle Ferrostaal ausbauen und nicht zerschlagen.

Die Ferrostaal-Transaktion muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden. Der gesamte Deal soll im ersten Quartal 2012 über die Bühne gebracht sein, wie ein MAN-Sprecher sagte. Wieviel Geld der Konzern für den Weiterverkauf an MPC mindestens einnehmen will, wollte er nicht beantworten. Dem Vernehmen nach wird mindestens ein dreistelliger Millionenbetrag angepeilt. Der Sprecher sagte lediglich, MAN habe ausreichend Vorsorge getroffen, dass der Ferrostaal-Deal das Ergebnis des vierten Quartals nicht beeinträchtigen werde.

Das Familienunternehmen MPC, das in den Feldern Finanzierung, Schifffahrt und Schiffsbau sowie im Rohstoff- und Maschinenhandel tätig ist, hatte sich bereits vor drei Jahren für die Übernahme von Ferrostaal interessiert, aber gegen IPIC den Kürzeren gezogen. Ferrostaal hatte 2008 ein Gemeinschaftsunternehmen mit MPC und einer mexikanischen Holding auf dem Gebiet des Stahlhandels gestartet.

 
<p>The front hood of MAN truck is seen at a truck service centre in Dortmund July 4, 2011. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: TRANSPORT)</p>