Westen bereitet Notfallplan im Fall von Iran-Krise vor

Samstag, 7. Januar 2012, 12:25 Uhr
 

London (Reuters) - Der Westen rüstet sich offenbar für den Fall einer Iran-Krise.

Westliche Länder haben in dieser Woche einen Notfallplan zur Sicherung der Ölversorgung unter anderem in Europa und den USA vorbereitet, sollte der Iran die Straße von Hormus wie angedroht blockieren, sagten Diplomaten am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Führende Vertreter der Internationalen Energieagentur (IEA) hätten am Donnerstag darüber beraten, im Ernstfall eine Rekordmenge der strategischen Ölreserven freizugeben. Im Gespräch seien dabei bis zu 14 Millionen Barrel pro Tag gewesen. Das wäre fünf Mal so viel wie das historische Öl-Volumen, das 1990 in Reaktion auf den Einmarsch Iraks in Kuwait auf die Märkte gelangte. Die in Staatsbesitz befindlichen Ölvorräte sind in den USA, Europa, Japan und weiteren Ländern gelagert.

"Dies wäre eine notwendige und vernünftige Antwort auf eine Blockade der Meeresenge", sagte ein Diplomat. "Es würde nicht lange dauern, den Notfallplan umsetzen, falls es nötig werden sollte. Eine Kontroverse unter den IEA-Mitgliedern wäre unwahrscheinlich", fügte er hinzu. Ein Sprecher der IEA sagte, dass die Agentur die Lage beobachte.

Der Iran hatte am Freitag ein weiteres Seemanöver in einer der wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt angekündigt. Die Übungen im Februar konzentrierten sich direkt auf die Straße von Hormus, sagte der Marinekommandeur der Revolutionsgarden, Ali Fadawi, nach einem Bericht Nachrichtenagentur Fars. Hintergrund ist der Streit über das iranische Atomprogramm: Der Iran hat gedroht, im Falle weiterer Ölsanktionen die Straße von Hormus zu blockieren. Durch die Meeresenge fahren etliche Öltanker. Die Europäische Union streitet unterdessen weiter darüber, wann ein Ölembargo in Kraft treten soll.

Ein Anrainerstaat der Meeresenge ist der Iran. Im Süden grenzt die Schifffahrtsstraße an die Vereinigten Arabischen Emirate und den Oman. Die USA haben erklärt, eine Blockade der internationalen Gewässer nicht hinzunehmen. Die US-Marine verfügt über eine große Streitmacht in der Region, die den iranischen Truppen weit überlegen ist. Auch Großbritannien hat erklärt, jeder Versuch einer Blockade der Wasserstraße wäre illegal und erfolglos.