Draghi: Europas Wirtschaft ist in "sehr schwerer" Situation

Dienstag, 17. Januar 2012, 07:53 Uhr
 

Straßburg (Reuters) - Trotz einer "sehr schweren" Wirtschaftslage in Europa machen die Staaten bei der Konsolidierung ihrer Finanzen nach den Worten von EZB-Chef Mario Draghi klare Fortschritte.

"Es ist ermutigend, was sich in Europa im Großen und Ganzen abzeichnet", sagte Draghi am Montag vor einem Gremium des Europarlaments in Straßburg. Die Regierungen hätten ihre Entschlossenheit deutlich gemacht.

Im Kampf gegen die Krise werde die EZB im Rahmen der Vertragsregeln alles in ihrer Macht stehende unternehmen, betonte Draghi, der in seiner Funktion als Vorsitzender des Europäischen Systemrisikorats (ESRB) sprach. Die beispiellose Geldspritze der Notenbank von fast einer halben Billion Euro im Dezember für Europas Banken bezeichnete Draghi als Operation "die funktioniert hat und es weiter tut". Kurz vor Weihnachten hatten sich die Geldhäuser bei der EZB 489 Milliarden Euro für drei Jahre besorgt.

Die rekordhohe Nutzung der Einlagefazilität der Zentralbank, der sogenannten "Angstkasse", deute nicht darauf hin, dass die EZB-Mittel - wie befürchtet - einbehalten und nicht an die Realwirtschaft weitergereicht werde. Da sich die Banken nicht mehr vertrauen und untereinander so gut wie kein Geld leihen, parken viele Institute überschüssiges Geld lieber bei der EZB und nehmen Zinsverluste in Kauf.

Von der Herabstufung von neun Euro-Staaten durch Standard & Poor's hätten sich die Finanzmärkten kaum überraschen lassen. Dieser Schritt sei zumeist eingepreist gewesen, sagte Draghi.