Drogeriekette Schlecker reicht Insolvenzantrag ein

Montag, 23. Januar 2012, 12:03 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Drogeriemarktkette Schlecker hat beim Amtsgericht Ulm Insolvenz angemeldet.

Für die Anton Schlecker e.K., die Schlecker Homeshopping GmbH und die Schlecker XL GmbH seien heute Morgen die Insolvenzanträge eingegangen und zur Bearbeitung an das Insolvenzgericht Ulm weitergeleitet worden, sagte ein Sprecher des Amtsgerichts Ulm am Montag. Ein Insolvenzverwalter sei noch nicht benannt worden. "Wir streben nach wie vor ein Planinsolvenzverfahren in Eigenverwaltung an", sagte ein Schlecker-Sprecher. Der formale Prozess sei nun eingeleitet worden. Die zweite Schlecker-Marke "Ihr Platz" und die Auslandsgesellschaften seien derzeit nicht betroffen.

"Wir glauben, dass das Weiterführen des Geschäftsbetriebes für alle Beteiligten das Beste ist. Das gilt aus unserer Sicht für die Mitarbeiter, als auch für die Handelspartner und Vermieter", sagte der Schlecker-Sprecher. Externe Sanierungskompetenz sei bereits im Hause. Einen Namen wollte der Sprecher aber nicht nennen. Ob Anton Schlecker fähig oder bereit sei, Geld nachzuschießen, wollte er nicht kommentieren und sagte nur: "Die Familie hat in den vergangenen Jahren eine ganze Menge an Geld nachgeschossen." Ob Lieferanten schon Waren zurückgeholt haben oder Lieferungen ausgeblieben seien, sei ihm nicht bekannt. "Wir gehen davon aus, dass das nicht geschehen wird."

Deutschlands größte Drogeriekette hatte am Freitag eingeräumt, vor der Pleite zu stehen. Eine Zwischenfinanzierung für die anstehende Sanierung sei gescheitert. Schlecker mit seinen 8000 Filialen will nun mit einem Insolvenzplan wieder auf die Beine kommen. Schlecker schreibt seit 2008 Verluste und hatte in den vergangenen eineinhalb Jahren hunderte Filialen in Deutschland geschlossen - und andere modernisiert. Wettbewerber wie dm oder Rossmann hatten Schlecker mit seinem Billig-Image und den vielfach verwinkelten, mit wenig Personal besetzten Filialen immer stärker Konkurrenz gemacht.

ROSSMANN-CHEF - KAUM INTERESSE AN SCHLECKER-FILIALEN

Wie die "Financial Times Deutschland" (Montagausgabe) berichtete, warnen Beteiligte vor einem möglichen Scheitern der geplanten Sanierung. Einer der wichtigen Gläubiger, der Einkaufsverbund Markant, habe dem zuständigen Gericht schon seine Vorbehalte gegen ein sogenanntes Planverfahren in Eigenverwaltung signalisiert. Der Sprecher des Amtsgerichts Ulm sagte, davon sei ihm nichts bekannt. Eine Sprecherin von Markant Deutschland betonte, der Einkaufsverbund werde sich grundsätzlich zum Fall Schlecker nicht äußern.

Beim Planinsolvenzverfahren in Eigenverwaltung legt das Unternehmen dem Insolvenzrichter ein Sanierungskonzept vor, mit dem es entschuldet werden soll, die Familie Schlecker könnte dabei Eigentümer bleiben. Bei einem Verfahren in Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung im Amt, der Insolvenzverwalter übernimmt nur die Aufsicht. Bisher wird die Eigenverwaltung aber nur in einem Bruchteil aller Verfahren genehmigt, selbst Planinsolvenzen sind die Ausnahme.

Konkurrent Rossmann zeigt unterdessen kaum Interesse an einer Übernahme von Schlecker-Filialen. "Wir hätten vielleicht an 50 oder 60 Läden Interesse. Bei dm dürfte das ähnlich sein. Die allermeisten Schlecker-Geschäfte sind zu klein, haben den falschen Standort oder wir sind dort schon vertreten", sagte Rossmann-Chef Dirk Rossmann der "FTD". Die Zukunftsaussichten des Wettbewerbers schätzt er düster ein. "Jedenfalls möchte ich nicht in der Rolle des Insolvenzverwalters stecken."

 
<p>A store of drugstore chain Schlecker is pictured in Berlin, January 22, 2012. Germany's biggest drugstore 'Schlecker', which is operating many small chemist's shops in neighbourhoods, filed for insolvency on Friday. REUTERS/Pawel Kopczynski (GERMANY - Tags: BUSINESS LOGO)</p>