Apple mit "Monster-Quartal" - Smartphone-Krone zurück

Mittwoch, 25. Januar 2012, 13:46 Uhr
 

San Francisco (Reuters) - Apple bricht auch nach dem Tod von Steve Jobs alle Rekorde:

Im wichtigen Weihnachtsquartal lagen Gewinn und Umsatz höher als je zuvor. Der US-Technologiekonzern verkaufte überraschend viele iPhones und iPads und holte sich nach einem etwas schwächeren Quartal die Smartphone-Krone von Erzkonkurrent Samsung Electronics zurück. Ein Gewinn von mehr als 13 Milliarden Dollar bei einem Erlösplus von 73 Prozent auf mehr als 46 Milliarden Dollar entzückte die Börsen weltweit. Die in Frankfurt notierte Apple-Aktie stieg am Mittwoch um knapp sieben Prozent. Im Sog legten auch die Anteilsscheine von Zulieferern zu.

Mit den am Dienstagabend nach US-Börsenschluss vorgelegten Zahlen wischte Apple alle Bendenken, wonach der Konzern in der Nach-Jobs-Ära den hohen Erwartungen nicht mehr gerecht werden könne, vom Tisch. Der Silicon-Valley-Konzern verkaufte im ersten Geschäftsquartal allein 37 Millionen iPhones und damit mehr als Samsung. Die Südkoreaner setzten ersten eigenen Schätzungen zufolge von Oktober bis Dezember rund 35 Millionen Smartphones ab. Damit kann sich Apple wieder Marktführer bei den Smartphone-Anbietern nennen.

Samsung veröffentlicht seine endgültigen Zahlen am Freitag. Die Koreaner greifen wie viele Wettbewerber auf Googles Betriebssystem Android zurück. Der Marktforschungsfirma Kantar Worldpanel zufolge stach Apple im vierten Quartal in den USA auch Google aus. 44,9 Prozent des Marktes gehörten dem iPhone - doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum, Android-Smartphones kamen auf 44,8 Prozent. Vor allem im asiatisch-pazifischen Raum befindet sich Android aber auf dem Vormarsch.

"DIE GANZE WELT WILL APPLE-PRODUKTE KAUFEN"

"Das ist ein Monster-Quartal", sagte Colin Gillis von BGC Financial über das erste Vierteljahr nach dem Tod von Apple-Mitbegründer Jobs im Oktober. "Die ganze Welt will Apple-Produkte kaufen." Hendi Susanto von Gabelli & Co. sagte zum weiteren Jahresverlauf, Apple verfüge noch über einigen Rückenwind. Der Konzern sei weit von einer Sättigung des Marktes entfernt.

Analystenhäuser erhöhten am Mittwoch reihenweise ihre Prognose für den Apple-Aktienkurs. UBS begründete den Schritt damit, dass die bevorstehende Markteinführung des dritten iPad-Modells dem Unternehmen helfen werde, weiter Wachstum auf dem Tablet-Markt zu erzielen. Im abgelaufenen Quartal verkaufte Apple trotz der zunehmenden Konkurrenz durch günstigere Geräte von Amazon 15,4 Millionen iPads und verdoppelte demnach den Absatz zum Vorjahreszeitraum. Wachstumssäule war erneut auch der Mac-Computerabsatz, der um 26 Prozent auf 5,2 Millionen stieg.

Apples Marktwert liegt mittlerweile bei fast 400 Milliarden Dollar. Damit macht der Konzern der Ölfirma Exxon Mobil den Titel als wertvollstes US-Unternehmen streitig. Derzeit steht Apple ein Bargeld-Bestand von knapp 98 Milliarden Dollar zur Verfügung. Analysten treibt schon lange die Frage um, was die Amerikaner mit dieser Riesensumme anfangen werden. Weder Apple-Chef Tim Cook noch Finanzchef Peter Oppenheimer äußerten sich dazu. Sie deuteten lediglich an, dass das Unternehmen nicht nur Aktienrückkäufe oder Dividenden sondern auch Übernahmen im Kopf habe. Zudem reißen die Gerüchte nicht ab, dass Apple im großen Stil ins Fernsehgeschäft mit einem eigenen "iTV" einsteigen will.

ZUVERSICHT AUCH FÜR LAUFENDES JAHR

Für 2012 rechnen Experten mit einem weiteren Erfolgsschub durch ein neues iPhone-Modell. Das iPhone 5 soll dem Vernehmen nach Ende des Jahres auf den Markt kommen und über den Datenfunkstandard LTE verfügen. Für das zweite Geschäftsquartal, das wegen der fehlenden Weihnachtsumsätze generell schwächer ausfällt, prognostiziert Apple einen Umsatz von etwa 32,5 Milliarden Dollar. Vor allem für China erwarten Analysten starke Verkaufszahlen. In der Volksrepublik ist Apple erst seit Jahresbeginn mit dem iPhone 4S in den Läden.

Angesichts des großen Interesses an Firmennachrichten halfen die Apple-Zahlen den Börsen weltweit auf die Sprünge. Zudem profitierten die Zulieferer. Die Aktien des deutschen Chipdesigners Dialog Semiconductor und der britischen ARM legten rund vier Prozent zu. Videochip-Designer Imagination's geann 3,7 Prozent.