US-Wirtschaft wächst schneller und enttäuscht dennoch
Washington (Reuters) - Trotz eines ordentlichen Endspurts ist die US-Wirtschaft 2011 deutlich langsamer gewachsen.
Im vierten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt zwar mit einer Jahresrate von 2,8 Prozent so stark zu wie seit anderthalb Jahren nicht mehr. Im Gesamtjahr reichte es für die weltgrößte Volkswirtschaft aber nur zu einem Plus von 1,7 Prozent nach drei Prozent 2010, teilte das Handelsministerium am Freitag in Washington mit. Die deutsche Wirtschaft schaffte drei Prozent. "Wir kehren immer noch den Scherbenhaufen weg, den uns die Finanzkrise hinterlassen hat", sagte Finanzminister Timothy Geithner in Davos. "Wir stehen vor einer Menge Herausforderungen."
Das gute Ergebnis am Jahresende erweist sich auf den zweiten Blick als Hypothek für die kommenden Quartale. Für zwei Drittel des Wachstums sorgten aufgestockte Warenlager. Die Unternehmen wurden ihre Produkte nicht wie erwartet los und legten deshalb Waren im Wert von 56 Milliarden Dollar auf Lager. Das dürfte die Produktion in den kommenden Monaten drosseln, weil die Firmen zunächst auf diese Vorräte zurückgreifen und ihre Lager abbauen werden, bevor sie die Fertigung wieder hochfahren.
"NICHT SEHR ERMUTIGEND"
Die Unternehmen investierten auch deshalb nur noch ein wenig mehr: Hier gab es ein Plus von 1,7 Prozent, nachdem es im Vorquartal noch 15,7 Prozent waren. Der private Konsum - der 70 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht - wuchs mit zwei Prozent ebenfalls schwächer als im Gesamtjahr. "Das ist nicht besonders ermutigend", sagte Analyst David Watt von RBC Capital. Der unter Rekordschulden ächzende Staat sparte kräftig und verhinderte damit ein stärkeres Wachstum. Die staatlichen Konsumausgaben gingen um 4,6 Prozent und damit das fünfte Quartal in Folge zurück. "Das hat es zuletzt Mitte der 50-er Jahre des vorigen Jahrhunderts gegeben", sagte Postbank-Analyst Heinrich Bayer. Besonders beim Rüstungsetat wurde der Rotstift angesetzt. Hier stehen noch größere Einschnitte bevor: In den kommenden zehn Jahren will Präsident Barack Obama die Militärausgaben um fast eine halbe Billion Dollar drücken.
Einem kräftigen Aufschwung steht aber vor allem die hohe Arbeitslosigkeit im Weg. 23,7 Millionen Amerikaner haben entweder keinen Job oder sind nur geringfügig beschäftigt. Zusammen mit kaum wachsenden Löhnen dämpft das den privaten Konsum. "Der Arbeitslosigkeit bleibt die größte Herausforderung", sagte der Vize-Chefvolkswirt von Mesirow Financial, Adolfo Laurenti. Um sie merklich zu drücken, halten Experten ein Wachstum von mindestens drei Prozent für erforderlich. Das ist aber nicht in Sicht: Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet in diesem Jahr nur ein Plus von 1,8 Prozent, das 2013 auf 2,2 Prozent zulegen soll.
FED BAUT SCHUTZSCHILD
Auch die Notenbank Fed erwartet angesichts der weltweiten Konjunkturflaute und der drohenden Rezession in der Euro-Zone keine schnelle Besserung. Sie will ihren Leitzins deshalb bis Ende 2014 bei null halten. Das billige Geld soll Konsum und Investitionen anschieben. "Die Fed versucht einen Schutzschild gegen die drohende in Europa aufzubauen", sagte Ryan Sweet von Moody's Analytics.
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