TOP-THEMA-Verluste in Europa brocken Ford Gewinnrückgang ein

Freitag, 27. Januar 2012, 17:20 Uhr
 

Detroit (Reuters) - Der US-Autokonzern Ford geht unter schlechten Vorzeichen in ein ohnehin schwieriges Jahr in Europa.

Verluste auf dem Kontinent und Asien sowie höhere Materialkosten brockten dem zweitgrößten Autobauer in den USA zum Jahreswechsel einen Gewinnrückgang ein. Für das vierte Quartal standen vor Steuern noch 1,1 Milliarden Dollar in den Büchern, 15 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Auch Folgen der Thailand-Flut und Währungseffekte wirkten sich negativ aus. Auf dem wichtigen Markt China ist der Konzern nicht so stark präsent wie etwa Volkswagen, General Motors oder Toyota.

In Europa vervierfachte sich der Verlust vor Steuern nahezu auf 190 Millionen Dollar. Die Schuldenkrise wird das Geschäft hier auch im neuen Jahr dämpfen. "2012 dürfte für Ford in Europa kein Vergnügen werden", erklärte etwa Frank Schwope, Autoanalyst bei der NordLB. Die Nachfrage werde wegen des Sparkurses in den Schuldenstaaten schrumpfen. Die Prognosen für dieses Jahr reichen bis minus sechs Prozent. Auch die GM-Tochter Opel leidet unter der Flaute auf dem Pkw-Markt in Südeuropa und muss ihren Sparkurs deshalb verschärfen.

Ford-Aktien verloren im frühen Handel 6,5 Prozent. Ford ist der erste große Autobauer, der seine Q4-Zahlen vorgelegt hat. Fiat folgt nächste Woche, die Franzosen Mitte Februar.

FORD WILL EUROPA-MARKTANTEIL VON 8,3 PROZENT HALTEN

Als Grund für den höheren Quartalsverlust im Europageschäft nannte Ford gestiegene Materialkosten, wovon die Hälfte auf höhere Rohstoffpreise entfällt. Ford-Deutschland-Chef Bernhard Mattes hatte im Reuters-Interview zu Jahresfang auf der Autoshow in Detroit einen Abbau der Kapazitäten in Europa gefordert. Denn die Folge der Nachfrageschwäche in Südeuropa ist, dass sich der Preiskampf verschärft. Das wiederum geht auf Kosten der Gewinne. Mattes betonte aber, Fords Werke in Europa seien ausgelastet und Ford selbst wolle keine Kapazitäten abbauen. Der Appell richtete sich damit an die Rivalen. Durch Preisnachlässe versuchen Hersteller mit sinkender Auslastung oft, Marktanteile zu verteidigen. Am Freitag erklärte Ford, seinen Anteil in Europa von 8,3 Prozent 2012 konstant halten zu wollen.

In Europa ging Fords Absatz im vierten Quartal um 6000 auf 391.000 Fahrzeuge zurück. Der Umsatz stieg hingegen um 200 Millionen auf 8,3 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr 2011 wies Ford für Europa einen operativen Verlust von 27 Millionen Dollar aus. 2010 gab es noch 182 Millionen Dollar Gewinn.

Im Gesamtkonzern verdiente Ford im vierten Quartal pro Aktie mit 20 Cent fünf Cent weniger als erwartet. Der Nettogewinn stieg zwar fulminant von 190 Millionen auf 13,6 Milliarden Dollar. Darin waren wegen einer Änderung in der Rechnungslegung Einmal-Posten von 12,4 Milliarden Dollar enthalten. Der Umsatz stieg um rund sechs Prozent auf 34,6 Milliarden Dollar. Der Absatz kletterte um 38.000 Fahrzeuge auf 1,427 Millionen.

Wichtigster Markt für Ford sind weiter die USA. Der Absatz in Nordamerika wuchs um fast 13 Prozent auf 693.000 Autos, der Umsatz um 2,4 Milliarden auf 19,6 Milliarden Dollar. Vor Steuern stieg der Gewinn um fast ein Drittel auf 889 Millionen Dollar.   Fortsetzung...