Fed will US-Wirtschaft vor Folgen der Eurokrise bewahren

Donnerstag, 2. Februar 2012, 18:49 Uhr
 

Washington (Reuters) - Die US-Notenbank will nach Worten ihres Chefs Ben Bernanke mit allen Mitteln eine Belastung der US-Wirtschaft durch die europäische Schuldenkrise verhindern.

Es bleibt das Risiko bestehen, dass die Entwicklung in Europa die Konjunktur in den USA belaste, sagte Bernanke am Donnerstag bei einer Parlamentsanhörung in Washington. "Wir beobachten die Situation permanent und werden alle verfügbaren Schritte ergreifen, um das US-Finanzsystem und unsere Wirtschaft davor zu schützen."

Allerdings habe die großzügige Liquiditätsspritze der Europäischen Zentralbank vor Weihnachten dazu beigetragen, die Spannungen im Bankensystem zu verringern, lobte Bernanke. Jedoch blieben die europäischen Banken in der Summe unterkapitalisiert. Es bestehe weiter Unsicherheit über Auffanglösungen für wegen der Schuldenkrise womöglich ins Straucheln geratende Institute. Diese seien dringend nötig, um die von Europa ausgehenden Ansteckungsgefahren zu minimieren.

Bernanke bekräftigte bei der Anhörung, dass ihm die Erholung der US-Wirtschaft und der Rückgang der Arbeitslosigkeit nicht schnell genug gehen. Hinweise auf konkrete Gegenmaßnahmen der Fed gab er nicht. Die Zentralbank kündigte vergangene Woche überraschend an, den Leitzins bis mindestens Ende 2014 nahe null Prozent zu halten. Zudem ließ Bernanke die Tür für weitere geldpolitische Schritte wie weitere Wertpapierkäufe offen.

Bernanke trat zum wiederholten Mal Befürchtungen entgegen, die Fed könnte von einer Konjunkturerholung überrascht werden und dann nicht mehr in der Lage sein, ihren geldpolitischen Stimulus rechtzeitig zurückzufahren. Er mache sich keine Sorgen, dass es nicht möglich sei, die Inflation zu kontrollieren, sollte die Erholung der Wirtschaft an Tempo zulegen. Die aufgeblähte Bilanz der Fed könne wieder verkleinert werden. Die Notenbank hatte sich vergangene Woche zum ersten Mal in ihrer fast 100-jährigen Geschichte ein explizites Inflationsziel gegeben. Sie strebt nun wie die EZB und die Bank von England an, dass die Teuerungsrate mittelfristig nicht über zwei Prozent steigt.