Ungarns angeschlagene Fluglinie Malev stellt Betrieb ein

Freitag, 3. Februar 2012, 19:29 Uhr
 

Budapest/Frankfurt (Reuters) - Nächster Nackenschlag für das klamme Ungarn: Die strauchelnde Fluggesellschaft Malev hat am Freitag ihren Betrieb eingestellt.

Seit dem frühen Morgen hebe keine Maschine mehr ab, teilte die staatliche Airline mit. Weil die Regierung nach einem EU-Urteil keine Kapitalspritzen mehr geben dürfe, sei die Finanzlage untragbar geworden. Malev sorgt jährlich für rund 40 Prozent des Verkehrsaufkommens am Budapester Flughafen. An dem Airport hält die deutsche Hochtief Anteile, will sich davon aber - wie von allen ihren Flughafenbeteiligungen - trennen. Wie sehr die Luftfahrtbranche in der Krise zu kämpfen hat, hat sich bereits in Spanien gezeigt. Dort stellte vor kurzem der angeschlagene Billigflieger Spanair den Betrieb ein.

Abgeschnitten vom Rest der Welt ist Ungarn jetzt aber nicht. Andere Airlines stockten umgehend ihre Verbindungen nach Budapest auf. Ab Montag fliegen die Lufthansa und Air Berlin die Hauptstadt öfter an - Billigflieger Ryanair richtet dort ab Mitte des Monats sogar eine neue Basis für seine Maschinen ein und will die Zahl der Verbindungen ab Sommer auf 31 erhöhen.

Bei Malev überschlugen sich zuletzt die Ereignisse. Wegen ausstehender Zahlungen würden in Israel und Irland zwei Malev-Maschinen festgehalten, teilte die Fluggesellschaft mit. Um weitere Verluste zu verhindern, blieben die übrigen Flugzeuge nun am Boden. Malev hat eine Flotte aus 22 geleasten Passagier-Maschinen. Die vor 66 Jahren in dem einst kommunistisch regierten Land gegründete Gesellschaft beschäftigt rund 2600 Mitarbeiter. Nach gescheiterten Privatisierungsversuchen hat die Regierung in Budapest 2010 das Unternehmen bis auf fünf Prozent wieder ganz übernommen.

Anfang des Monats forderte die EU-Kommission Malev dazu auf, illegale Staatsbeihilfen zurückzuzahlen. Dabei geht es um Millionensubventionen aus den Jahren 2007 und 2010. Ohne weitere Kapitalspritzen des Staates zog sich die Schlinge um Malev immer enger zu. In den vergangenen Tagen war das Unternehmen bereits unter Gläubigerschutz gestellt worden und hatte einen Insolvenzverwalter an die Seite bekommen. Zuletzt hätten Geschäftspartner das Vertrauen verloren und Vorauszahlungen verlangt, erklärte Malev den akuten Finanzengpass.

Das hoch verschuldete und am Rande einer Rezession stehende Ungarn liegt mit der EU derzeit im Dauerkonflikt: Die EU will dem Land den Geldhahn zudrehen, weil die Finanzminister und die Kommission der Gemeinschaft in Budapest keine ausreichenden Anstrengungen zur Haushaltssanierung erkennen können. Wegen umstrittener Medien-, Justiz- und Zentralbankgesetze hat die EU zudem drei Vertragsverletzungsverfahren gegen Ungarn eingeleitet.

 
<p>Empty Malev's check-in desks are seen at Ferenc Liszt International Airport in Budapest, February 3, 2012. Hungarian flag-carrier Malev announced on Friday that it had stopped operating because its liquidity situation has become unsustainable and all its flights had been grounded as of 0500 GMT on Friday. The airline had been placed under extraordinary protection from creditors and a receiver was appointed earlier this week. REUTERS/Bernadett Szabo (HUNGARY - Tags: TRANSPORT BUSINESS)</p>